Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1928 (1929)
- Date
- 1929-01-01
- Page
- – (sequence 91)
- Language
- German
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64 der Sinn der religiösen Erziehung. Man lernt den Glauben ,,in einer empfindlichen Erfahrung und Experienz.“140) So kämpft Franck gegen die neue Scholastik der ,,rechten Lehre“■־, gegen die Bindung des Heils an die theologische Schule. Das Bewußtsein der Selbständigkeit und der Freiheit des religiösen Individuums macht sich mit einem gewissen Trotz geltend. Die äußerlichen Autoritäten werden nicht nur innerlich aufgelöst, sondern kräftig zurückgeschoben. Hiermit überschreitet Franck den Gehalt der Mystik, deren Berufung auf das Gefühl als dem Ort des unmittelbaren Eins Werdens, mit Gott. In der strengen Zurückweisung der Kirchenlehre will Franck nur das als göttliche Wahrheit annehmen, was unser Herz als uns solche bezeugt; keine Lehre wird von Gott sein, die wider das Wort wäre, das Gott in unser Herz eingegraben hat.141) ,,Die Gedanken und Ausdrücke der Mystik sind geblieben, aber sie ist nicht mehr die alte, auch nicht bloß darum nicht mehr, weil ihre Ueberschwänglichkeiten abgestoßen sind und doch ihre geheime spekulative Kraft beibehalten ist. Sie ist aggressiv ge־ worden; von Gedanken Luthers durchsetzt, durch humanistische Stimmungen über die Göttlichkeit der reinen Menschennatur unterstützt, ist sie in den Streit des Jahrhunderts eingetreten/'142) Die Lehre Francks ist Mystik in der Gewißheit der göttlichen Offenbarung im Herzen des Menschen. Nichts aber kann als unmittelbare Eingebung Gottes empfunden werden, was dem im Gewissen festgelegten sittlichen Gotteswillen widerstreitet. Und betont Franck auch die Macht des inneren Lichtes, ohne dem Mißbrauch durch enthusiastische Verworrenheit stets strenge Grenzen zu ziehen, so ist doch das Endziel seines Strebens nicht eine Anhäufung vereinzelter und möglichst ungewöhnlicher innerer Erlebnisse, sondern eine geläuterte, das Wesentliche zusammen״ fassende Form des Christentums. So findet er Gottes Kundgebung mehr als im einzelnen ekstatischen Momenten in der ruhigen religiös-sittlidien EntWicklung. 143) So vermag er auch trotz seiner Geringschätzung der Philosophen, die versucht haben das Wesen der Seele zu ergründen und die Welt ohne Gott zu erkennen, trotz seiner Betonung der eignen Erfahrung als Grundlage der religiösen Erfahrung und als Vor- 14h Franck: M01*. Enc. 135 b; Hegler a. a. 0. S. 96. 141i Franck: Mor. Enc. 152 a; Hegler a, a. O. S. 98. 141־ Hegler a. a. O. S. 96. 143) Hegler a. a. O. S. 111.