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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1929-01-01 · 1928 (1929) · page 90

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1928 (1929)
Date
1929-01-01
Page
– (sequence 90)
Language
German
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IRI
…/2720904-2721039--089-2726910
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63 Das göttliche Wort ist in allen Kreaturen ,,der Ausfluß; Wesen, Ausguß, Bild, Charakter und Schein Gottes in allen Kreaturen/‘ Wenn das Wort Gottes in den Menschen eingeht, so kann man sagen, daß in ihm Gott selbst lehrt, liebt, erfreut, erkennt. So vermittelt Gott, selbst seine Erkenntnis in uns. Gottes Wort ist ewig,, wenn alle Buchstaben vergehen. Es ist lebendig wirkende Kraft, nie bloßes Wort, nie ein Gebot, das befiehlt, aber nicht Gehorsam schafft. Es ist unaussprechbar und undefinierbar, wie Gott selbst. Dieses alles aber ist nicht die Schrift, sondern das Wort Gottes.138) Dieses Wort Gottes ist im Menschen als die sittliche und religiöse Anlage. Es ist uns von Gott eingepflanzt, göttliche Dinge zu erkennen und zu beurteilen, zu spekulieren und die Wahrheit zu ergreifen, zwischen gut und böse uns zu entscheiden. Wie die fünf Sinne die Kraft haben, ihre Objekte zu beurteilen, so ist ,,unserm Gemüte ein Gespür und Samen geistlicher Ding eingeben und angeboren /' So ist der Inhalt der 10 Gebote in dem inwendigen Wort enthalten, aber auch ,,das eingeschrieben Gesetz mit dem Finger Gottes, Glauben, Lieb, Hoffnung, Furcht gegen Gott und den Menschen täglich zu üben/'139) Dieses eingeschriebene Gesetz identifiziert Franck mit den Hauptstücken des christlichen Glaubens, sodaß natürliches religiöses Bewußtsein und Christentum für ihn zusammenfallen. Ja, das ganze alte und neue Testament ist dem Sinne nach in die Tafeln des Herzens jedes Menschen geschrieben, denn die Menschen müssen nach e ine m Maßstab gerichtet oder gerettet werden.. Diese sittlich-religiöse Anlage ist bei allen Menschen gleich. ,,Der unparteiische Gott hat alle Ding allen Menschen zugleich erschaffen und in ein gleiches Leben gestellt und mit gleicher Lieb nit um ein Haar besser oder böser gemacht, sonst hätten die versäumten ab Gott zu klagen/' Das göttliche Wort wohnt im Herzen, der ,,Seele", im ,,Gefühl," ,,Gespür," nicht als totes Wort, sondern als lebendig wirkende Kraft. Es wird mehr empfunden, als es ausgesprochen werden kann. Das Wort Gottes wdrkt in uns und der Mensch hält ihm still; das ist der Sabbat der Seele. Alle Vorbereitung des Heils zielt darauf hin, den Menschen für die zeugende Kraft des Gottesgeistes empfänglich zu machen. Dies und nicht Gelehrsamkeit ist 138) Franck: Mur. Enc. S. 160 a. 148 b; Kegler a. a. O. S. 87 ff. 139) Franck: Mor. Enc. S. 109 a, 109 b; Guldin Arch Vorr. 4 b; Hegler a. a. O. S. 92 ff. 9

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