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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1929-01-01 · 1928 (1929) · page 87

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1928 (1929)
Date
1929-01-01
Page
– (sequence 87)
Language
German
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60 wußtseins aus der Gewalt der Autorität und Tradition dar. Wegen dieser prinzipiellen Bedeutung des Spiritualismus ist er nicht bloß eine Entwicklungspläne in der Geschichte des Christentums und darf er bei der Darstellung des Verhältnisses des Judentums zu den geistigen Strömungen der Neuzeit nicht übergangen werden. Ist doch auch das Judentum eine Schriftreligion, di£ in der Schrift die grundlegende Offenbarung ihrer religiösen Wahrheit besitzt-, Schrift und Geist bedeuten daher eine Problemstellung, der sich das Judentum nicht entziehen kann. Es fragt sich, in welcher Tiefe die Renaissance dieses Problem erfaßt und zur Entscheidung zu bringen sucht. Dies werde an dem bedeutendsten Vertreter des Spiritualismus der Renaissance, an Sebastian Franck unter־׳ sucht. Denn ,,er stellt die Gedanken über Geist, inneres Wort;. Schrift nicht in ihrer ersten Ausbildung, aber in ihrer vollsten Aus׳■ prägung dar, die sie in seiner Zeit gefunden haben.“131) Der Kampf gegen die Autorität der Schrift bedeutet für Franck nicht die Leugnung ihres göttlichen Ursprungs. Im Gegensatz aber zu Luther und auch den Wiedertäufern will Franck nicht die Schrift als das einzige und entscheidende Zeugnis des göttlichen Geistes anerkennen und auch nicht den Glauben und die Seligkeit des Menschen an sie gebunden wissen. Wäre die Schrift zur Seligkeit notwendig, so hätte Gott sie von Anfang an erschaffen. So abergibt es Seligkeit ohne die Kenntnis der Schrift, wie Christus die Kinder selig preist, die doch da§ äußerliche Wort nicht hören : auch kann man nicht annehmen, daß alle die verdammt sind, die das geschriebene Wort nicht gehabt haben, ehe es ein solches gab. die 2000—3000 Jahre her von Adam bis Moses. ,,Man soll Gottes Wort und Recht nit in die Enge und Winkel der Schrift Spännen, und den Glauben und Seligkeit daran binden, sonst wären verkürzt worden alle, die vor der Schrift seind gewesen, da doch am meisten fromm und gläubig Leut waren/'132) י Gottes Wort muß unveränderlich und unzerstörbar sein: Wieviel heilige Bücher aber sind nach dem Zeugnis der Bibel selbst verloren gegangen. Auch ist der überlieferte Text nicht zuverlässig, wie die Verschiedenheiten des hebräischen Textes und der Septuaginta beweisen. Folgt hier Franck den Gedankengängen des Erasmus und den Untersuchungen Aggrippas ,,De incertitudine et varietate omnium seientiarum“, so bestärkt Franck ,31) A. Hegte r: Geist und Schrill hei Sebastian־ Franck1892 ׳, S. 21.. w2) Franck: Die Gnldin Arch Stuttgart 1538, k. 261 b; Hegter ä. a. O. Seite 75c יץ'י. ' . :!;..׳';;: ■

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