Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1928 (1929)
- Date
- 1929-01-01
- Page
- – (sequence 83)
- Language
- German
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56 zur ■Erhaltung und Vervollkommnung des Universums beitrüge.123) Gott ist als Inbegriff und schöpferische Ursache alles Seins zugleich die Quelle aller Wahrheit, Weisheit, Macht und Güte. Da er außer dem, was in ihm ist, nichts anderes wollen kann, als er ■will, so handelt er mit Notwendigkeit. Diese ewige Notwendigkeit ist aber selbst gewollt, so zugleich die ewige Freiheit, die Vorsehung und das Schicksal. Nicht aber kann von einer Freiheit Gottes im endlichen Sinne d. h. einer Willkür Gottes gesprochen werden.124) Der Mensch hingegen, grade weil er nicht das Ganze, sondern nur ein Teil des Ganzen ist und im Auge hat, kann sich für ein Einzelnes entscheiden, das nicht dem Weltganzen angemessen ist. So gehört zum Wesen Gottes die Notwendigkeit, zum Wesen des Menschen die Freiheit.125) Wenn nun der Mensch trotz seiner Freiheit das Weltzweclo gemäße tut, so befähigt ihn hierzu die Vernunft des Weltganzen, der das All erkennende und belebende Universalgeist, der auch den Menschen durchdringt und zur Selbstvervollkommnung anleitet. Es findet sich in uns ein heiliger Geist, eine Erkenntniskraft, der ein eigener Affekt zu Diensten steht. Dieser Affekt hat seinen Rächer, der mit dgr Gewissensqual wie mit einem harten Hammer das seinem Lebenszweck Zuwiderhandelnde Gemüt peinigt. Dieser heilige Geist ist die. Gottheit, die allgegenwärtige, die nichts sehnlicher wünscht als in uns völlig ein- Zuströmen, sich unserer Erkenntnis zu erschließen und sich in unsem Willen umzuwandeln. Er kann sich aber nur denjenigen zur Erkenntnis bringen, die ihn suchen.*26) Die Gottheit offenbart sich nun den Sinnen in der Form des Schönen, welches zugleich das Wahre und das Gute ist. Des Geistes einzige Nahrung, welche allein ihn befriedigt und beruhigt, ist die Wahrheit, welche er zu jeder Stunde, in jedem Zeitalter und in jedem Zustande, in welchem sich der Mensch auch befinden mag,, zustrebt. Aber die Zahl derer, welche der Liebesdrang zu höherer Tätigkeit antreibt, ist verschwindend klein gegen die überwiegende Masse jener, in welchen er dumpf und stumpf bleibt, weil er sie ihr eigenes Selbst verlieren und in den Abgrund der Ausschweifungen versinken läßt. Die .Trauer um die verlorene 123) ־Brunnhofer a. a. O. S. 161 ff- 124j Giordano Bruno: De Immenso Lib. I. Kap. 11 und 12; Brui 11־ hol'er a. a. O. S. 22ל• '.,..■:my Giordano Bruno: De immenso Lib. III. Kap. i: 126i Brunnhofer a. a. Cb S. 270 ■־■•■־ ״•*•> \