Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1928 (1929)
- Date
- 1929-01-01
- Page
- – (sequence 82)
- Language
- German
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55 Systems und lehrte die völlig schrankenlose Unermeßlichkeit des Universums. ,,Es gibt nur einen Himmel, nur einen unermeßlichen Weltraum, nur einen Schoß, nur einen universellen Zusammenhang, nur eine x\etherregion, durch welche das Ganze sich regt und bewegt. In dieser gelangen unzählige Sterne, Weltkugeln, Sonften und Erden sichtbar zur Erscheinung und berechtigen zu dem Vernunftschluß auf zahllose andere. Dieser unendliche Raum und die unermeßliche Menge der in demselben sich bewegenden Weltkörper sind nun aber nichts anderes als die notwendigen Vermittlungsformen, durch welche sich die unkörperliehe Herrlichkeit Gottes auf körperliche Weise zu manifestieren sucht. Da diese Manifestation unzähliger Grade der Vollkommenheit bedarf, um an denselben Gottes Herrlichkeit darzustellen, so gibt es infolgedessen mit Notwendigkeit zahllose Individuen, in welchen sich diese Stufenfolge spiegelt. Diese zahllosen Individuen sind die Gestirne, jene Kolossal-Organismen, und gigantischen Lebewesen, deren eines diese unsere Erde ist. Zur Aufnahme dieser zahllosen Organismen ist nun aber ein unendlicher Raum erforderlich. ‘ '122) Von diesen Gestirnen ist keines in der Mitte, denn das Universum ist nach allen Seiten gleich unermeßlich. Infolgedessen gibt es so viele Mittelpunkte der Welt, als es Welten, als es Gestirne gibt, nämlich unendliche. Durch ihr eigenes Gewicht geschleudert, schweben diese Welten frei im Weltraum, indem sie einander anziehen, und da alle Riesenorganismen aus denselben Elementen bestehen, wirken in ihnen dieselben uns bekannten Kräfte. Dann leben auch auf allen Weltkörpem höher oder niedriger angelegte Organismen, menschenähnliche Bewohner. Der Glaube, es sei irgend ein Teil der Welt ohne Seele, Leben, Empfindung ist unberechtigt. In dieser Unendlichkeit der Welt und in der Unendlichkeit der Gattungen von Organismen in ihr, in deren unendlicher Abstufung spiegelt sich der Glanz der göttliehen Schönheit. Der Zweck und die Endursache des Universums ist die Vollkommenheit der Welt in der Verwirklichung der Unendlichkeit der Formen. Freilich gibt es eine Harmonie der Teile nur im Hinblick auf das Ganze. Nur der Blick auf das Ganze befähigt uns, auch das Einzelne als Glied der allgemeinen Harmonie aufzufassen. Nichts aber im Universum ist so gering, daß es nicht 122) Giordano Bruno: Ges. Werke {Kch^enbeck) Bd. 3 Zwiegespräche vom unendlichen All, S- 39 ff.; Brunnhofer a. a. Q. S. 160. i