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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1929-01-01 · 1928 (1929) · page 81

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1928 (1929)
Date
1929-01-01
Page
– (sequence 81)
Language
German
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54 deren, und dann sind sie verkümmert , mangelhaft und verstümmelt, weil dieses Sein sich mit jenem nicht verträgt und weil ihre Materie zugleich mit diesem und jenem beschäftigt wird. Daher wird es also ein erstes Prinzip des Universums geben, welches ebenso wenig als material oder formal zu unterscheiden ist, wie das absolute Vermögen und seine Wirklichkeit. ,,Und sicher läßt sich nicht leugnen, daß wie alles Sinnliche ein Substrat der Sinnlichkeit, so auch alles Intelligible ein Substrat der Intelligibilität voraussetzt. Also muß es ein Wesen geben, das den gemeinsamen Begriff sowohl des Einen wie des anderen Substrats entspricht; denn jegliche Wesenheit ist notwendigerweise auf irgend ein Sein begründet, ausgenommen jenes Erste, das mit seinem Sein identisch, weil sein Vermögen zugleich seine Tat ist, weil es alles ist, was es sein kann/'120) Wenn wir oben gesagt haben, daß die Philosophie Giordano Brunos im innigen Zusammenhang mit der Philosophie des Nicolaus v. Cusa steht, so sehen wir nun, wie der Begriff des Possest, die Einheit von Möglichkeit und Wirklichkeit der Zentralbegriff wie des Systems des Cusanus, so Giordano Brunos ist. Deutlicher als früher tritt aber nun auch hervor, wie für den Begriff des Possest Gabirols Idee der intelligiblen Materie von entscheidender Bedeutung* ist, obwohl Giordano Bruno selbst keine genaue Kenntnis der Gabirolschen Lehre hat . Allerdings kennt Gabirol die intelligible Materie nur als Substrat der Ideenwelt, nicht als Attribut Gottes. Wohl aber umfaßt Gott den Willen und was dieser an Materie und Form in sich hat in einziger und unvergleichlicher Weise.121) So haben die GabiroPschen Begriffe der universellen Form und der universellen Materie große Bedeutung für die Konzeption des neuen Gottes- und Naturbegriffes, insbesondere nachdem Köpernicus die Unendlichkeit und Einheit des Universums erschlossen hatte. Giordano Bruno nun verband diesen Begriff des unendlichen Gottes mit der von Kopernikus erschlossenen Unendlichkeit der Welt. Ja, während Kopernikus noch immer die Fixsternsphäre das All hermetisch abschließen und so die Weltanschauung der Kirche prinzipiell bestehen ließ, durchbrach Giordano Bruno diese immer noch engen Schranken des Kopernikanischen Welt- 120) Giordano Bruno a. a. G. S. 102 ff. A11 dieser Stelle weist Bruno wiederum auf Gabirols (Avicebrons) Lehre von der universalen Materie hin. 121) Gabirol: Fons vitae V. § 38 ff.; Jacob Gultmann: Die Philosophie des Salcmon ihn Gabirol. S. 217.

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