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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1929-01-01 · 1928 (1929) · page 77

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1928 (1929)
Date
1929-01-01
Page
– (sequence 77)
Language
German
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50 ein und dieselbe Stufenleiter ist es, auf welcher die Natur zur Hervorbringung der Dinge herabsteigt und auf welcher die Vernunft zur Erkenntnis derselben heraufsteigt.106) Der Begriff der Natur deckt sich für Bruno mit dem Begriff der Ewigkeit und Notwendigkeit. Die ewige Notwendigkeit offenbart sich aber in der Welt der Erscheinungen als Zahl, Größe und Begriff. ,,Die Natur ist eine zählbare Zahl, eine meßbare Größe, ein gedanklich faßbarer Begriff. Die Vernunft dagegen ist eine zählende Zahl, eine messende Größe, ein denkender Begriff/'107) So ist jeder Zufall in ihr ausgeschlossen. Als Offenbarung der Vernunft ist die Natur Ausdruck der Wahrheit, denn die Wahrheit ist nur das in den Dingen beobachtete Gesetz der Vernunft. ,,Die Wahrheit ist deshalb nicht allein physisch in den Dingen, sondern sie ist die schaffende Lebenskraft und Natur an und für sich."108) Die Natur ist die herrlichste Gottheit, nichts anderes als die die Materie bewegende Macht Gottes, als die allen Dingen eingeprägte Ordnung. Die Natur ist nichts anderes als Gott in den Dingen, so daß wenn Gott nicht die Natur selbst ist, doch gewiß die Natur der Natur und die Seele der Weltseele, wenn er nicht diese Weltseele selber ist.109) Gleichwohl liefert uns die Erkenntnis der Natur zur Erkenntnis der schöpferischen Ursache nur eine bloße Spur. Es verhält sich nicht anders bei Erzeugnissen der menschlichen Kunsttätigkeit; auch hier schaut, wer die Statue schaut, nicht den Bildhauer, sondern er sieht nur das Erzeugnis einer Tätigkeit, die aus dessen künstlerischem Genie entsprungen ist. So sind zwar die Dinge Wirkungen der göttlichen Tätigkeit, doch sind diese Wirkungen, obwohl sie das Wesen der Dinge und geradezu die natürlichen Substanzen selber sind, dennoch gewissermaßen nur ganz entfernte Accidenzen, sofern wir sie verwenden, um damit nach einer begrifflichen Erkenntnis des übernatürlichen Wesens der Gottheit gleichsam nur zu tasten.110) ,,Mithin können wir vom Wesen Gottes, sowohl weil es un- 106) Giordano Bruno: Gesammelte Werke, herausgegeb. v. L. Kuhlenheck, Bi. IV: Von der Ursache, dem Anfangszweck. S. 128; N. Brunnhofer: Griordano Brunos Weltanschauung und Verhängnis, 1882, S. 140. 107) De triplice mimimo, S. 7, § 1; Brunnhofer a. a. O. S. 145. 108) Summa terminor. metaphysic. tS. 497; Brunnhofer a. a. O. S. 140. 109) Giordano Bruno: Gesammelte Werke, (Kuhlenbeck) Bd. 2. Vertivibung der triumph. Bestie. S. 226. 0״) Giordano Bruno: Ges. Werke, Bd. 4. Von der Ursache. S. 45 ff*

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