Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1928 (1929)
- Date
- 1929-01-01
- Page
- – (sequence 76)
- Language
- German
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49 Eine jede Religion, auch die christliche eingeschlossen, ist nur der Versuch, das Eine, Unfaßbare in anschauliche Vorsteilungen zu bringen. So gipfelt die Gotteslehre des Cusaners in der Anschauung, daß eille Religionen trotz aller Verschiedenheit doch eine sind. Inder Schrift De pace fidei läßt Nicolaus in einer fingierten Versammlung, an welcher die Vertreter der verschiedenen Religionen und Nationen unter dem Vorsitz des Wortes teilnehmen, das Wort erklären: Inder Vielheit der Religionen ist die Einheit vorausgesetzt, denn was alle voraussetzen ist die Weisheit. Alle Religionen stimmen in der Religion des Einen Gottes, ob sie nun das Prinzip der Weltschöpfung Weisheit oder Wort nennen, überein. ״Du (Gott), der Du der Spender des Lebens und des Seins bist, bist derjenige, der in den verschiedenen Riten verschieden gesucht und in verschiedenen Namen genannt wirst, wie Du aber in Wirklichkeit bist, bleibst Du allen verborgen und undurchdringlich ... Es gibt nur eine Religion in der Verschiedenheit der Riten.104) ״In allen Gesichtem erscheint das Gesicht aller Gesichte verschleiert und wie im Rätsel — enthüllt aber kann es nicht gesehen werden, solange nicht, über alle Gesichte hinaus, eingegangen wird in jenes geheime und dunkle Schweigen, in dem nichts mehr übrig bleibt von dem Wissen und dem Begriff des Gesichts.105)“ Bei Nicolaus v. Cusa ist der Konfessionalismus nur noch ein leiser Schleier, der über der metaphysischen Gotteslehre liegt. Ihm folgte der Jünger, der den Schleier zerriß: Giordano Bruno. GIORDANO BRUNO Wie Nicolaus v. Cusa der geniale Vorläufer des Kopemicus, ist Giordano Bruno der Verkünder der neuen Weltanschauung, die aus der kopernicanischen Veränderung des naturwissenschaftliehen Weltbildes folgt. Im innigen Zusammenhang mit der Lehre des von ihm hochverehrten Cusaners zieht Giordano Bruno die Konsequenz des dynamischen Pantheismus in seiner Natur- Philosophie, Religionsphilosophie und Etik. Bei aller Anerkennung der Mannigfaltigkeit der Wege die zur \yelterkenntnis führen, ist Giordano Bruno von der Kraft des Denkens überzeugt, zur Wahrheit vorzudringen. Ist nun die Bahn der Forschung frei, so braucht man sich, um zur Wahrheit zu gelangen, nur an den Lauf der Natur zu halten, denn 10M De pace fidei Kap. 1, fol. 114 b: GlOssnev• a. a. O. S. 139. 10 5) De visione Dei Kap. 6, fol. 185; Gassi re יו a. a. O. S. 34.