Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1928 (1929)
- Date
- 1929-01-01
- Page
- – (sequence 75)
- Language
- German
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48 Geschichte. Die Natuf;ist }der Abglanz seiner Herrlichkeit, die Entfaltung seines Wesens,;;nicht bloß der Schemel seiner Füße. Das Licht der göttlichen Liebe strahlt in der Ordnung und,־Schönheit der Welt. Zwischen der Natur und den sittlichem Zielen des Menschen besteht eine tiefe Harmonie, bei aller kosmischen Höherstellung des Menschen. Denn Gott ist Alles in Allem. Von dieser, dem Pantheismus sich nähernden Gottesanschauung des Cusaners, gibt es keinen Weg zur Anerkennung der Heilsgeschichte des Christentums. So wie der Glaube alles Intelligible in sich schließt, ist das Wort Gottes jenes, das im Innern des Intellekts zu uns spricht.101) Die Offenbarung entfaltet allein den ursprünglichen Wahrheitsgehalt des Geistes. Philosophie und Theologie haben ein und dasselbe Objekt, das die Philosophie, durch metaphysische, die Theologie durch konkret anschauliche Bestimmungen zu erfassen sucht. Dem entsprechend werden die Dogmen des Christentums rationalistisch gedeutet: Die Trinität bedeutet die Verbindung von Einheit und Vielheit, des Könnens und der Wirklichkeit. In dem verschlossenen Dunkel des göttlichen Wesens findet sich keine Trinität. Nur indem Gott in der Weltschöpfung aus sich heraustritt, entfaltet er sich in der Dreiheit des Posse, Esse und des Nexus beider. Die Ausdrücke Vater, Sohn, Geist sind nur sinnlich-anschauliche Vorstellungen dieser metaphysischen Begriffe.102) Die Inkarnation bedeutet die Verwirklichung der Idee der Menschheit in ihrer ganzen Fülle und in ihrem höchsten Grade. Der Mensch ist Kind Gottes von Natur und der Vater gebiert seinen Sohn, wie schon Meister Eckhart lehrt, potentiell im Grunde des Intellekts und in allen Menschen, aktuell aber in all denjenigen, die zur vollen Intellektualität im mystischen Schauen sich erheben. Christus ist der größte Mensch; er besitzt eine solche Meisterschaft und Weisheit, daß eine größere nicht mehr möglich ist, woraus folgt, daß sein Geist mit der größten Weisheit an sich geeint sei, so daß eine größere Einigung nicht möglich ist. So ist er die ,,natura media“, die Endliches und Unendliches vereinigt, die Klammer der Welt.103) 101) Excitat. I, 5; Glossner a. a. O. S. 125. 102) j)e doct. ignor. I Kap. 24; de Possest I fol. 180 ff.; Glossner a. a. O. S. 127 ff. 103) De pace fidei Kap. 12; De filiatione Dei fol. 67 a; Glossner a. a. O. S. 13.5 ff.