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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1929-01-01 · 1928 (1929) · page 73

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1928 (1929)
Date
1929-01-01
Page
– (sequence 73)
Language
German
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IRI
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46 der Dinge mit dem Einen, der das Maß aller Dinge ist. Gott schließt alle Wesenheit in sich, die in der Welt der Teilbarkeit, Unvollkommenheit, Pluralität wirklich werden. Er ist das Possest, die Einheit von Möglichkeit und Wirklichkeit. Dadurch wird die Welt zur Erscheinung Gottes: Was also ist die Welt, wenn nicht die Erscheinung des unsichtbaren Gottes? Was ist Gott, w7enn nicht die Unsichtbarkeit der sichtbaren Dinge?94) ,,Die Dinge sind eben nur der Abglanz Gottes, ihr Wesen besteht nur in der Abhängigkeit von Gott, sie sind wie ein Spiegel, der nur abbilden würde, ohne selbst etwas zu sein, oder ein Kunstwerk, das in der Abhängigkeit vom Künstler allein bestünde/'95) Gott ist ihre komplikative Einheit, die Dinge seine Explikation. Er ist eben das eine Sein, das Sonne ist in der Sonne, Mond im Monde; in der Sonne leuchtet es, in der Erde wird es beleuchtet; es wächst in der Pflanze, denkt im Menschen, spielt Zither im Zitherspieler.96) Als Offenbarung Gottes besitzt die Welt keine festumschriebene geometrische Gestalt, erstreckt sich vielmehr räumlich ins Unbestimmte und hat demgemäß kein örtlich bestimmtes• Zentrum. Gott ist das Zentrum der Erde und aller himmlischen Sphären. Aus der Identität von Sein und Können, Aktivität und Passivität geht die Schöpfung der Welt aus Gott hervor, indem Gott den Grund und die Wurzel seines eigenen Seins und Lebens zum Substrat der Dinge macht. Doch geht diese Schöpfung nicht ohne Wissen und Willen, sondern aus dem Willen Gottes hervor, der mit seinem Sein identisch ist. Hier berührt sich Nicolaus v. Cusa aufs engste wie mit Meister Eckhart so mit Salomon Gabirol.97) Mit dieser Lehre aber stürzt nicht allein die aristotelische Physik, ihre Scheidung der sublunarischen und superlunaren Welt und wird das Universum physikalisch gleichartig, sondern auch für die religiöse Methaphysik schwindet die Minderwertigkeit der Erde. Wie der Kosmos keine vollkommene Kugel ist, denn es gibt im sinnlich Wahrnehmbaren keine strenge Verwirklichung geometrischer Ideen, so hat zwar auch die Erde keine mathematisch bestimmte Form, ist aber wegen ihrer mathematischen Unbestimmtheit nicht etwas Niederes oder Verwerfliches, sondern 94) De Possest I f. 183 a. 95) De doct ignor. II Kap. 2. 96) De conject 2, 3; Glossner a. a. O. S. 106. 97) Glossner a. a. O. S. 79.

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