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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1929-01-01 · 1928 (1929) · page 72

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1928 (1929)
Date
1929-01-01
Page
– (sequence 72)
Language
German
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IRI
…/2720904-2721039--071-2726892
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45 suchung der göttlichen Dinge am passendsten der mathematischen Zeichen wegen ihrer unzerstörbaren Gewißheit zu bedienen/‘91) So knüpft sich bei Nicolaus der Bund von Gotteserkenntnis und mathematischer Naturerkenntnis, der im Spinozismus seine bedeutsamste Konsequenz finden sollte. Für den Cusaner ergibt sich aus der Definition Gottes als des alle Erkenntnis übersteigenden Maximums, daß er der Eine, Unendliche, alle Gegensätze des Größten und Kleinsten, Möglichkeit und Wirklichkeit in sich schließende und sie aufhebende Einheit, die coincidentia oppositorum ist. Damit sei die biblische Gotteserkenntnis des einzigen Gottes als Grundlage seines Systems gewannen: Vide, per numerum ad hoc nos deductos ut intelligamus, innominabili Deo unitatem absolutam propius convenire, quoque Deus ita est unus, ut sit actu omne id, quod possibile est esse. Quapropter non recipit ipsa unitas magis nec minus, nec est multiplicatio. Deitas itaque est unitas infinita. Qui ergo dixit audi Israel, Deus tuus unus est et unus est magister et pater vester in coelis, nihil verius dicere potuit.92) Alle Gottesnamen außer dem Tetragramm setzen eine Vielheit in Gott und bedeuten für Nicolaus, der auch hierin Maimonides folgt, nicht die Wesenserkenntnis Gottes, sondern die Wirkensattribute, die Gottes Verhältnis zur Welt der Schöpfung bezeichnen. Und auch die Trinität ist nicht Wesens- Erkenntnis, sondern bedeutet die Entfaltung des göttlichen Schaffens. Deus ut creator est trinus et unus, ut infinitus nec trinus nec unus.93) Die Dreieinigkeit ist der Ausfluß der Allmacht, die als Kraft der Einheit hervorbringt, als Kraft der Gleichheit gestaltet, als Kraft der Verbindung zusammenhält. Cusanus hebt hervor, daß diese Trinität auch von Juden und Arabern an- Erkannt werden könne. Im Gegensatz zu der Unveränderlichkeit und Einheit Gottes ist die Welt die Vielheit und Veränderlichkeit der Dinge, die aber zur Erkenntnis und damit zu relativer Einheit gebracht werden durch das Maß der Zahl. So verbinden Maß und Form die Welt 91) De doct. ignor., I. Kap., 11; M. Glossner: Nicolaus v. Gusa und Marius Nizolius als Vorläufer der neueren Philosophie, 1891, S. 36. 92) De doct. ignor. I. Kap. 5. 93) De pace fidei Kap. 7. Dieser Einfluß des Maimonides dürfte durch den Einfluß Eckharts auf Nicolaus verstärkt worden sein, da Eckhart der Attributenlehre des Maimonides bis zur Collision mit dem Dogma der Trinität folgt. Vergl. Joseph Koch: Meister Eckhart und die jüd. Religionsphilos. des Mittelalters. Jahresber. der Schles. Gesellsch. f. vaterl. Kultur. Breslau 1928. Sonderdruck. S. 12 ff.

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