Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1928 (1929)
- Date
- 1929-01-01
- Page
- – (sequence 71)
- Language
- German
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44 die irdische Welt mit der himmlischen durch seine kosmische Mittelstellung als Mikrokosmos zu verbinden, sondern die sittliche Aufgabe, das Triebleben der Natur zum Reich der Wahrheit, Gerechtigkeit und Liebe, die Welt zum Reiche Gottes zu ge־ stalten. Nicht die Vollkommenheit der göttlichen Schöpfung als einer vollendeten Wirklichkeit, sondern das Vollkommenwerden der Menschenwelt ist Sinn und Aufgabe des Menschen. Für dieses Werk der Vervollkommnung der Welt aber gibt Ermutigung und Kräftigung der Aufblick zur Allmacht und Güte Gottes, die aus seinem Werk der Weltschöpfung und Welterhaltung strahlt, aber auch die Heilsgewißheit, die aus der von Gott erfüllten Geschichte Israels und der Menschheit strömt. d) Das neue Weltbild. NICOLAUS VON CUSA Indem der Kardinal Nicolaus v. Cusa, der gewaltigste Vertreter des deutschen Humanismus (1401—1464) in der docta ignorantia, dem ,,wissenden Nichtwissen“ den religiösen und wissenschaftlichen Grundbegriff seines Systems feststellt, steht auch er auf dem Boden des Neuplatonismus, erklärt er den Weg der negativen Theologie, die positive Attribute von Gott ausschließt, mit Pseudo-Dionysios und Maimonides, den er an einigen Stellen Rabbi Salomon nennt, aber auch also Rabbi Moyses zitiert90), als allein zulässig. Grade darum aber, und dies ist der neue Weg, den Nicolaus einschlägt, weil uns die Aussicht in das Jenseits der Welt verschlossen ist, gilt es mit um so größerer Ehrfurcht die Spuren Gottes in der Welt der Erscheinung zu beachten. Dies jedoch nicht in der bloßen Ergriffenheit des Gefühls, sondern in der wissenschaftlichen Erkenntnis der Dinge. ,,Die sichtbare Welt ist ein Abbild der unsichtbaren. Daher kann das Unsichtbare durch Symbole erkannt werden; denn alle Dinge stehen in einem uns freilich unbekannten Verhältnis zueinander, so daß aus allen das eine Universum sich herstellt und alle in dem Selbstgrößten das Selbsteine sind (in ipso maximo ipsum unum). Größere Festigkeit als das sinnlich Wahrgenommene und in einem beständigen Schwanken begriffene Materielle, besitzt das Abstrakte, zu welchem das Mathematische zu rechnen ist . . . Auf diesem Wege der Alten hat man sich demnach in der Unter- 80) De doet. ignor., I. Kap., 16, 24, 26; Jacob Guttmann; Aus der Zeit der Renaissance, MGWJ, 43. Jahrg. 1899. S. 255 ff.