Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1928 (1929)
- Date
- 1929-01-01
- Page
- – (sequence 66)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2720904-2721039--065-2726886- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
39 Himmelskörpern Liebe. Der Himmel liebt die Erde und zeugt in ihr durch seine ständige Bewegung mittels der sieben Planeten. Aber auch untereinander lieben sich die Gestirne. Ein Zeichen dieser Liebe ist die Harmonie der Gestirne und ihrer Bahnen.80) Aber auch oberhalb der körperlichen Welt in den spiritualen Intelligenzen herrscht die Liebe. ״So wie das Sein, das Leben und der Verstand und jede andere Vollkommenheit, Güte und Schönheit von den spiritualen Wesen abhängt und von den immateriellen zu den materiellen herabsteigt, sodaß alle *diese Vorzüge früher in der spiritualen als in der körperlichen Welt sich finden, so findet sich auch die Liebe früher und wesentlicher in der intelligiblen Welt, und von dieser steigt sie in die körperliehe Welt herab.81) Die spiritualen Wesen lieben nicht nur die höheren, denen sie nachstreben, sondern auch die niedere, unvollkommene körperliche Welt. Grade weil die körperliche Welt mangelhaft, die intelligible Welt vollkommen ist, müssen die Intelligenzen die niedere Welt lieben, denn ״in der Ordnung des Universums hängt das Niedere vom Höheren ab und die körperliche Welt von der spiritualen; demnach würde der Mangel der niederen Welt in der höheren, von der sie abhängt einen Mangel bewirken, denn die Unvollkommenheit der Wirkung zeigt einen Mangel der Ursache an: indem also die Ursache ihre Wirkung und das Höhere das Niedere liebt, ersehnt sie, daß das Niedere sich vervoUkommene und sich mit ihr vereine, um es vom Mangel zu befreien; denn indem sie jenes befreit, bewahrt sie sich selbst vor Mangel und Unvollkommenheit.82) Das Ziel dieser Liebe ist die Einswerdung des Universums gemäß dem Willen Gottes. Weil die ganze Welt ein Individuum ist, neigen sich die reinen Intehigenzen zur niederen Welt, anstatt nur die göttliche Wesenheit zu betrachten. Denn ״der Zweck des Ganzen ist die einheitliche Vollkommenheit des ganzen Universums, angelegt vom göttlichen Baumeister, und der Zweck jedes dieser Teile ist nicht nur die Vollkommenheit dieses Teiles in sich, sondern daß er mit dieser auf rechte Weise der Vollkommenheit des Ganzen diene/‘83) Aus demselben Grunde bindet sich die menschliche Seele, die doch spiritual ist, an den gebrechlichen und vergänglichen 80) Dialoghi S. 58; Pflaum a. a. O. S. 104. 81) Dialoghi S. 94 a. 82) Dialoghi S. 94 a. 83) Dialoghi S. 99 a.