Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1928 (1929)
- Date
- 1929-01-01
- Page
- – (sequence 65)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2720904-2721039--064-2726885- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
38 durch seine Erleuchtung zur aktuellen Güte erhebt. Er ist Mitte wiederum in doppelter Hinsicht, insofern er das Mittel ist, das der Handlung zum Erfolg hilft, da seine Vorsehung sich besonders derjenigen annimmt, die an den göttlichen Tugenden teilhaben. Sodann ist er das Vorbild aller Güte, Mitleids, Erbarmens, Großmut, Gerechtigkeit, Weisheit. Gott ist das Ende, denn Ziel des Nützlichen ist Beschaffung des Angenehmen, Ziel des Angenehmen die Erhaltung des Menschen, Ziel der Erhaltung des Menschen die Vervollkommnung der Seele, Ziel der Seele die liebende Erkenntnis Gottes gemäß unseren Kräften, wenn auch nicht gemäß seiner unendlichen Wesenheit. Diese Erkenntnis ist das höchste Glück des Menschen. In dieser Erkenntnis aber wird der menschliche Verstand nicht mit dem göttlichen Verstand eins, sondern erkennt vom tätigen Verstand oder Gott erleuchtet alle Dinge in einer einzigen Schau, weil in Gott nicht nur intelligibiliter, sondern auch essentialiter alle Dinge sind, aber ungeteilt und in Einheit.78) Diese Verbindung mit dem tätigen Verstände kann im menschlichen Leben statthaben, aber auch wieder verloren gehen, so daß der Mensch die körperlichen Dinge wieder sieht wie einst, bis er im Tode befreit vom gebrechlichen Körper, für die Ewigkeit den Genuß der göttlichen Erkenntnis wieder erwirbt. Gibt so der erste Dialog die ontologische Erörterung des Wesens der Liebe, so erweist der zweite Dialog die Liebe als kosmisches Prinzip: Liebe ist dreierlei Art: natürliche Liebe, sinnliche Liebe und erkennende und wollende Liebe. Natürliche Liebe treibt die nicht sensitiven Körper, wie die Elemente, die Metalle, die Minerale, die Pflanzen gegen das Ziel hin, das ihnen ihr natürliches Erkennen weist, die schweren Körper in die Tiefe, die leichten in die Höhe, die Materie nach Empfang der Formen. Die sensitive Liebe treibt die unvernünftigen Lebewesen, das ihnen Gemäße zu suchen, das Ungemäße zu fliehen, die Speise, den Trank, die Wärme, die geschlechtliche Verbindung, die Ruhe. Die erkennende und wollende Liebe ist in der sublunarischen Welt allein im Menschen mächtig, aber nicht allein, sondern in Verbindung mit der natürlichen und sinnlichen Liebe. Die rationale Liebe treibt den Menschen zur Erlangung von Tugend und Weisheit.79) Wie in den Wesen der unteren Welt, besteht auch in den 78) Dialoghi S. 16 ff.; 23 b; Pflaum a. a. O. S. 93. 79) Dialoghi S. 38 a.