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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1929-01-01 · 1928 (1929) · page 64

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1928 (1929)
Date
1929-01-01
Page
– (sequence 64)
Language
German
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37 innigste mit der philosophischen Religion der Platoniker der Renaissance. Leo Hebraeus, der älteste Sohn Isaak Abarbanels zu Lissabon im Jahre ca. 1460 geboren, wurde von seinem gelehrten Vater im jüdischen Schrifttum erzogen. Von ihm auch wurde er zur gründlichen Kenntnis der jüdischen und arabischen Philosophie angeleitet. Von 1484—1492 lebte er als Arzt in Sevilla. Bei der Vertreibung der Juden aus Spanien flüchtete er nach Neapel, das er aber bereits 1495 verlassen mußte, und ließ sich in Genua nieder. Schwere Schicksalsschläge, die Entführung und Taufe seines in Portugal zurückgehaltenen Sohnes, der Tod seines zweiten Sohnes, die Schwermut seiner Frau trieben den Ruhelosen von Ort zu Ort. Nach 1521 ist kein Zeugnis seines Lebens bekannt. In Genua schrieb Leone 1501 an seinem Werk ,,Dialoghi di Amore“, das aber 1505 noch unvollendet war. Unvollendet wurde es 1535 herausgegeben. Damals lebte Leone nicht mehr.75) Wie der Titel des Werkes besagt, ist die Liebe nach dem Urteil des vom Schicksal so schwer geprüften Mannes das Band, das Gott und Welt und alle Wesen der Schöpfung zur Harmonie vereint. Das Werk des Leone besteht aus drei Dialogen, deren erster das Wesen der Liebe, der zweite ihre Ausbreitung, der dritte ihren Ursprung zam Gegenstand hat. Am Schluß des dritten Dialogs deutet der Verfasser an, daß er noch einen vierten Dialog, der über die Wirkungen der Liebe handeln solle, schreiben wolle.76) Im ersten Dialog werden die Gegenstände, auf die Liebe sich richten kann, nach den Kategorien des Nützlichen, des Angenehmen und des Ehrenhaften gesondert. Ehrenhaftes Handeln ist das Ziel des Menschen. ,,Das Ziel des Ehrenhaften besteht in der Vervollkommnung der intellektiven Seele, die mittels der tugendhaften Handlungen wahr, rein und klar wird und mittels der Weisheit geschmückt wird mit dem göttlichen Bilde/‘77) Das höchste Gut ist Gott, der Anfang, Mitte und Ende alles tugendhaften Handelns ist. Er ist Anfang in doppeltem Sinne, insofern 1. von ihm die anima intellectiva ausgeht, wie der Strahl aus der Sonne und 2. indem er diese potentielle Güte des Menschen 75) Vergl. B. Zimmels: Leo Hebraeus, ein jüdischer Philosoph der Renaissance, Breslau 1886, S. 16 ff, und Heinz Pflaum: Die Idee der Liebe Leone Ebreo, Tübingen 1926, S. 50 ff. 76) Pflaum: a. a. O. S. 88. Dialoghi, S. 261. Wir zitieren nach der seltenen ital. Ausgabe von Mariano Lenzi 1545, die im Besitz des jüd.-theol• Seminars in Breslau ist. 77) Dialoghi S. 15.

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