Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1928 (1929)
- Date
- 1929-01-01
- Page
- – (sequence 63)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2720904-2721039--062-2726883- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
36 zu je 8 in die 9 Himmelssphären. Nach den drei Methoden der Kabbala Gematria, Notarikon und Themura gewinne man wunderbare Aufschlüsse. Jeder der 22 Buchstaben könne ein neues Alphabet anfangen, so gäbe es also 22 Arten wie ein Buchstabe umgeta^scht werden könne. Diese 22 Alphabete seien Mose von Gott geoffenbart worden. Dies seien die Grundlagen des Glaubens. Zuletzt ,erfolgt der Hinweis auf das Christentum. Die Kraft des heiligen Namens sei auf den Namen Ihsvh, auf sein Symbol, das Kreuz übergegangen. Vergleichen wir Reuchlin mit Pico, so finden wir, daß nicht die Kabbala, die beiden gemeinsam ist, sondern das neue Lebensgefühl und das heroische Freiheitsbewußtsein Pico zum Philosophen der Renaissance macht, während Reuchlin innerhalb der kirchlichen Weltanschauung verbleibt. ,,So hoch ihm wissenschaftliche Forschung, ungehinderte Freiheit im Aussprechen der gewonnenen Resultate stand, er unterwarf doch seine einzelnen Schriften, sein gesamtes Lehrgebäude dem Urteil der Kirche, er war bereit, das zurück zu ziehen, worin er geirrt.“74) So hielt sich Reuchlin auch von der Reformation fern. Als Luther sich an ihn wandte, ihn seinen Meister, seinen Führer, seinen Vorgänger im Kampfe gegen die Mönche nannte, blieb Reuchlin die Antwort schuldig. Desgleichen zog er sich von Melanchthon zurück, als dieser sich von der Kirche entfernt hatte. Unvergessen seien die Verdienste Reuchlins als erster Lehrer der hebräischen Sprache in Deutschland und sein mannhaftes Eintreten für die Ehre des jüdischen Schrifttums in seinem Streit mit dem Kölnern, diesem Streit wissenschaftlicher Forschung gegen den Fanatismus, der von dunklen Mächten genährt wurde. Aber der Philosophie der Renaissance folgte der Philologe und Kabbatist nicht. LEO HEBRAEUS Ist Reuchlin ganz erfüllt von den Gedankengängen der Kabbala, hingegen von dem neuen Lebensgefühl der Renaissance, das sie zur Dogmatik des Christentums in Gegensatz brachte, wenig berührt, so gehört dem tiefsten Gehalt seiner Philosophie nach der Florentiner Akademie der jüdische Denker Don Juda ben Isaak Abarbanel oder wie er als Schriftsteller hieß, Leo Hebraeus an. In ihm berührt sich der Geist des Judentums aufs 74) Ludwig Geiger: a. a. O. S. 147.