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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1929-01-01 · 1928 (1929) · page 60

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1928 (1929)
Date
1929-01-01
Page
– (sequence 60)
Language
German
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IRI
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33 Sprache nur eine Handhabe, ein Schlüssel, mit dem er in das wunderbare Gebiet der Geheimlehre einzudringen hoffte/‘72) Bei seiner zweiten Reise nach Italien 1490 besuchte Reuchlin den Grafefl Pico. Vor allem aber wurden die drei kabbalistischen Werke für ihn wichtig, die Papst Sixtus IV. auf Veranlassung Picos hatte ins Lateinische übersetzen lassen, insbesondere Menahem Recanati's kabbalistischer Kommentar zum Pentateuch. Doch auch das Sefer Jezira, Habahir und Sohar werden von ihm zitiert. Sein Hauptgewährsmann ist Joseph ben Abraham Gikatilla, der die Tendenzen Abulafia’s in die Kabbala einführte, die Deutung der Gottesnamen und Ziruf (Versetzung der Buchstaben), Themura (Vertauschung der Buchstaben), Notarikon '(Behandlung der Buchstaben als akrostichische Wortabkürzung) und Gematria (Behandlung der Buchstaben nach ihrem Zahlen-־ wert) zur Grundlage der Schriftdeutung machte.73) Seine beiden kabbalistischen Werke De Verbo mirifico und De arte cabbalistica liegen zeitlich um fast ein Vierteljahrhundert auseinander; zwischen ihnen liegt die Beschäftigung Reuchlins mit der hebräischen Sprache. In jedem dieser Werke unterreden sich drei Personen über den Gegenstand, dem das Werk gewidmet ist. Die Unterredner des Werkes ,,Vom wundertätigen Wort“, die zufällig in Pforzheim Zusammentreffen, sind Baruchias, ein Jude, Sidonius, ein Philosoph, und Reuchlin selbst unter dem Namen Capnion. Sidonius hat beschlossen, sein Leben der Erforschung der Natur zu weihen. Baruchias meint, nur der Gottesgeist, der in Mose gewaltet hat und durch Mitteilung von einem Geschlecht zum anderen übergehe, mache fähig in die Geheimnisse der Natur einzudringen. Das will Sidonius nicht gelten lassen. Capnion vermittelt: in der äußeren Welt erkenne man die Dinge, die man mit Augen sehen, mit Händen greifen könne; in geis-tigen Dingen gäbe es ein Wissen, das man nur durch göttliche Enthüllung erhalte. Die göttliche Enthüllung zeige Gott als den Einen, den allweisen und ahgütigen Schöpfer. Gott sei unendlich, der Mensch endlich. Doch können beide Naturen verbunden ־ werden. Diese Verbindung geschehe durch ein wundertätiges Wort. Im folgenden Buch entwickelt alsdann der Jude Baruchias das Geheimnis der Gottesnamen. Von ihnen allen sei das un- 72) Ludwig Geiger: Johann Reuchlin; Sein Leben und seine Werke. Leipzig 1871. S. 171. 73) Bloch: Geschichte der Entwicklung der Kabbala. S. 46 ff.

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