Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1928 (1929)
- Date
- 1929-01-01
- Page
- – (sequence 59)
- Language
- German
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32 über allem thront, selbst über alles, was ist, seinen Thron zu errichten/'68) So sind Freiheit und Gotteserkenntnis und nicht dogmatisch anzuerkennende geschichtliche Heilstatsachen der Weg zum Heil und hat die gesamte Menschheit die Bestimmung, auf dem Wege sittlichen Strebens und philosophischer Erkenntnis zur Gottesnähe zu schreiten. Darum ist die Erkenntnis vom Wesen und der Aufgabe des Menschen selbst universal, unabhängig von Konfession und Volk in den heiligen Schriften der Hebräer, Pythagoräer, Mohammedaner, Christen, Perser und Chaldäer in gleicher Weise enthalten.69) Der Weg, der zum Ziel der Gottesnähe hinführt, ist für alle Menschen die Gottesliebe. ,,Wenn wir in heißer Liebe zum Schöpfer erglühen, dann werden wir plötzlich auf flammen in züngelndem Feuer und Ebenbilder der Seraphim sein .... Wer aber ein Seraph ist, das heißt ein Liebender ist, der weilt in Gott und Gott weilt in ihm, ja Gott und er selbst sind eins."70) So ist Pico v. Mirandola vielfach selbst in den Formen und Formeln des Christentums, die er innig festzuhalten strebt, gleich Marsilius Ficinus der Neubegründer eines neuplatonischen und stoischen Theismus. Und wenn er die Entwicklung der Philosophie so zeichnet, daß ,,aus dem Morgenlande alle Weisheit kam, bei den Griechen Pflege fand, bis sie bei uns den Lateinern mündete",71) so hat er, wenn auch nicht den Weg der Philosophie, so doch seinen eigenen Bildungsweg zutreffend charakterisiert. Biblisches Gottesbewußtsein des einzigen Gottes als des höchsten Gutes verschmolz in ihm mit der Philosophie des Neuplatonismus und der Ethik der Stoa zur religiösen Weltanschauung der Renaissance. c) Der Wirkungskreis der Florentiner Akademie. JOHANN REUCHLIN Der unmittelbare Nachfolger Picos, der den deutschen Humanismus mit der Kabbala verbunden hat, ist Johann Reuchlin. ,,Man kann wohl nicht sagen, daß er das Studium der (hebräischen) Sprache begann, um die Kabbala zu erforschen, denn auch das Sprachgebäude interessierte ihn lebhaft . . . aber je mehr er in der Kenntnis der Sprache voranschritt, um so mehr ward ihm die 6 ’) Lieber : a. a. O. S. 184. 69) Lieber!: a. a. O. S. 186. 70) Liebert: a. a. O. S. 189. 71) Liebert: a. a. O. S. 20ל.