Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1928 (1929)
- Date
- 1929-01-01
- Page
- – (sequence 58)
- Language
- German
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31 gewirkt hat. Von ihr und ihren Grundlagen im jüdischen und christlichen Neuplatonismus stammt jene Verbindung des Unerkennbar-Einen mit dem persönlichen Gottesbegriff der Bibel; die Verbindung der Emanation mit der Schöpfertätigkeit Gottes, die 10 Zahl der Sephiroth und die Gliederung des Alls, der Gedanke der Analogie des Geschehens in den 3 Welten, die Anschauung vom Menschen als einem Mikrokosmos und seine Stellung im Universum, die religiöse Grundansicht über den Zweck der Welt und des Menschen, der religiöse Optimismus, der zur Seligpreisung alles Existierenden führt und doch Stufen der Teilhabe an Gott und damit der Glückseligkeit kennt, die Unterscheidung von Erkenntnis und Gnade und die Durchdringung von Philosophie und Religion.66) Nun aber wird auch deutlich, wie wenig trotz alles dahingehenden Strebens Picos, die Dogmatik des Christentums mit seiner Philosophie zu vereinen, von den dogmatischen Grundlagen des Christentums in seine Philosophie übergegangen ist. Die starke Betonung der Freiheit und Würde des Menschen ist entscheidend für den Renaissance-Charakter seiner Philosophie. Denn damit ist gegeben, daß nicht Wunder die verderbte Menschennatur in der Gnade umbilden, sondern eigenes sittliches und religiöses Streben den Menschen der Gnade Gottes würdig macht. ,,Nicht himmlisch, nicht irdisch, nicht sterblich und auch nicht unsterblich haben wir dich erschaffen. Denn du sollst nach deinem Willen und deiner Ehre, dein eigner Werkmeister und Bildner sein und dich aus dem Stoffe, der dir zusagt, formen. So steht es dir frei auf die unterste Stufe der Tierwelt herabzusinken. Doch kannst du dich auch erheben zu den höchsten Sphären der Gottheit.“67) ,,Pflegt er die Triebe der Sinnlichkeit, so wird er verwildern und wie ein Tier werden. Folgt er der Vernunft, so ersteht aus ihm ein himmlisches Wesen. Entwickelt er aber seine intellektuellen Kräfte, so wird er ein Engel und Gottessohn sein. Und wenn er endlich, unzufrieden mit dem Lose der Kreatur, sich in den Mittelpunkt alles Seins zurückzieht, dann wird er mit Gott selbst eins werden, e i n Geist, und er wird emporgehoben in die einsame Höhe, in welcher der Vater 66) Für den speziellen Zusammenhang Picos mit der Kabbala vergl. G. Massetani: La filosofia Cabbalistica di Giöv. d. Mir. Empoli 1897. S. 87 ff. Vor allem diente ihm der Bibelkommentar des Menahem Recanati als Quelle, den er ins Lateinische übersetzte. Wahrscheinlich half ihm dabei Jochanan Aleman. Graetz VIII S. 246. 67) Liebert: a. a. 0. S. 183.