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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1929-01-01 · 1928 (1929) · page 57

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1928 (1929)
Date
1929-01-01
Page
– (sequence 57)
Language
German
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30 darstellt, das, worin sie zur Ruhe und zur vollendeten Seligkeit gelangen.62) Vollkommenheit und Unvollkommenheit eines jeden Dinges richten sich nach dem Maße, in dem es an dem höchsten Gut teilhat. Glücklich ist ein Wesen schon, wenn es überhaupt existiert, denn dadurch, daß es ist, ist es ja auch in Gott. Jegliches Ding ist in seiner besonderen Seinsweise ein Abklang Gottes als des Inbegriff alles Seins. Das Feuer ist ohne. Seele und doch hat es teil an Gott und darum ist es glücklich. Glücklicher sind die Pflanzen, noch glücklicher die lebenden Wesen. Aller sterblichen Geschöpfe glücklichstes aber ist der Mensch. Mit auserlesenen Gaben wurde er bedacht. Intelligenz und Freiheit des Willens wurden ihm verliehen. Auf der obersten Sprosse der kreatürliehen Welt stehen die Engel, denn sie werden der Einwirkung der göttlichen Substanz am meisten teilhaft.63) Wahres Glück ruht in der seligen Betrachtung des höchsten Gutes. Aber keine Kreatur, selbst nicht die Engel vermögen aus eigener Kraft dahin zu gelangen. Was wir aus uns heraus erreichen, ist nur ein Schatten des Glückes. Gott muß seine Vaterhand gnädig uns entgegenstrecken; nur durch ihn gelangen wir zur völligen Vereinigung mit ihm. Jener Strahl von oben her, jene göttliche Kraft der Emporhebung bezeichnen wir Menschen als Gnade.64) Ohne diese vermag kein Wesen Gott zu erreichen. Nur insofern waltet ein Unterschied zwischen uns Menschen und allen anderen Geschöpfen, als wir auf Grund der Freiheit unseres Willens jene Bahn zu betreten streben. ,,Unermüdlich drängt die Triebkraft des Geistes gegen deine Seele. Folgst du dem Anstoße, dann steigst du empor durch den Kreis der Religion zu deinem Vater und Herrn; dein Leben senkt sich ein in ihn, wie es einst in der Tage Vorzeit in ihm ruhte. Ja, das ist wahre Glückseligkeit: eins zu sein mit seinem Gotte, ihn zu umfassen und von ihm umfaßt zu werden, ihn zu erkennen, wie du selbst von ihm erkannt bist. Und zu dieser Glückseligkeit bewegt, leitet, ja drängt die Religion uns hin; als natürliche Führerin benützen wir auch die Philosophie, denn wie die Natur der Anfang der Gnade, so ist die Philosophie der Anfang der Religion/'65) Deutlich ist in diesem System Picos, wie stark außer dem Neuplatonismus und der Stoa insbesondere die Kabbala auf Pico -— t 62) Liebert: a. a. O. S. 166. 63) Liebert: a. a. O. S. 167. 64) Liebert: a. a. O. S. 168. 65) Liebert: a. a. 0. S. 170.

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