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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1929-01-01 · 1928 (1929) · page 56

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1928 (1929)
Date
1929-01-01
Page
– (sequence 56)
Language
German
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IRI
…/2720904-2721039--055-2726876
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29 und lenkt alles zu sich hin. In der mittleren Welt, im Himmel haben wir das Empyreum, das den neun Himmelssphären wie ein Feldherr seinem Heere vorsteht und um welches diese Sphären unaufhörlich kreisen, während es selbst als Abbild Gottes unbeweglich verharrt. Aber auch innerhalb der elementaren Welt gibt es außer der ersten Materie neun Sphären vergänglicher Formen. Drei von diesen befinden sich im Zustande der Leblosigkeit, drei bilden die vegetabilische Natur und drei die Sphären des sensualen Lebens.58) Außer diesen drei Welten gibt es noch eine vierte, welche all das in sich schließt, was in den drei übrigen vorhanden ist. Das ist der Mensch. Sein Körper besteht aus den irdischen Eiementen, das vegetabilische Leben hat er mit den Pflanzen gemein, die Sinne mit den Tieren, seine Vernunft mit dem Geiste der Engel.59) Der Mensch ist aus gleichem Stoff wie die Engel geschaffen. Darum herrscht über seine Seele nur Gott, nicht der Himmel mit dem Umlauf seiner Sphären. Nicht die Gestirne, Gott allein sollen wir fürchten, lieben und verehren. Die niederen Kräfte wurden uns von Gott zu unserem Heile gegeben, nicht aber damit wir ihnen fröhnen. Nur durch unsere Schuld verkehren wir jene Gaben in Uebel, indem wir das Maß ruhigen und besonnenen Gebrauchs überschreiten.60) Dadurch aber vergehen wir uns nicht nur gegen uns selbst, sondern auch dem Universum gegenüber, das wir in unserem Wesen umspannen. Darum erhebt sich alsdann das All zum Kampfe gegen uns. Wie aber alle Kreatur den Menschen haßt und verabscheüt, wenn er dem Gesetz abtrünnig wird, das von ihm fordert, er solle durch besonnene Herrschaft alles Erschaffene in sich harmonisch vereinigen, so liebt ihn das All und ist ihm dankbar, wenn er den rechten Weg befolgt.61) Das Ziel aller Wesen ist die Glückseligkeit; das höchste Gut ist das, was alle begehren. Was aber alle begehren, das ist eben das, was aller Dinge Anfang ist. Dieser End- und Aufgangspunkt für alles ist der einzige, allmächtige und allgütige Gott. Das All-Eine ist das, in dem der Grund und der Anfang für alles ruht. Das All-Gute ist das, was sich als das letzte Ziel aller Wesen 58) Liebert: a. a. 0. S. 147. 59) Liebert: a. a. 0. S. 148. 60) Liebert: a. a. 0. S. 162 ff. 61) Liebert: a. a. 0. S. 165.

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