Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1928 (1929)
- Date
- 1929-01-01
- Page
- – (sequence 54)
- Language
- German
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27 Selbst der Papst Sixtus IV. wurde dadurch bestimmt, zum Nutzen des Kirchenglaubens kabbalistische Schriften ins Lateinische übertragen zu lassen.51) Den Zusammenhang zwischen der Kabbala und dem Christentum bildete für Pico der ihnen beiden wesentliche Neuplatonismus und die mystische Schriftauslegung, die er im Geiste des Christentums anwendete. Hierzu gab Gelegenheit das Vorhandensein von Begriffen und Bildern in der Kabbala, die nur durch das Medium eines christlichen Einflusses auf die Kabbala erklärt werden können, so die Verbindung der Triasform mit der Gottheit oder Bilder, die das Verhältnis der 10 Sefiroth zur absoluten Einheit des En-Sof erklären sollen.52) Erscheint so Pico als Vorkämpfer des Christentums und hebt Lorenzo de’ Medici es dem Papst gegenüber als Verdienst Picos hervor, daß er einen recht gelehrten, jungen Juden zur katholischen Kirche bekehrt habe, so war seine geistige Heimat doch die Florentiner Akademie mit ihrem religiösen Platonismus. So ist Pico der Repräsentant der Frührenaissance, in der mittelalterliche und neuzeitliche Weltanschauung noch vielfach ungeklärt einander durchdrangen, und spiegeln seine Schriften die Doppelheit in dem Wesen seiner Generation wieder. ,,Das Christentum mit seiner asketischen Weltflüchtigkeit und seiner dogmatischen Theologie einerseits und die Antike mit ihrer ungezwungenen und ursprünglichen Empfindungsweise und dem reichen Schatze praktisch-positiver Kenntnisse andererseits sind die beiden Pole der Gedankenbildung und Wesensgestaltung Picos/'53) In Uebereinstimmung mit der seine Zeit beherrschenden Ueberzeugung sieht er in der Bibel den Ursprung und Inhalt aller philosophischen Erkenntnis. Platon ist ein attischer Moses, da die Aegypter ihre Weisheit der mosaischen Quelle entnommen hätten, die Aegypter hinwiederum Lehrer der Griechen gewesen seien. Die unphilosophische Sprache der Bibel sei dem Verständnis der Masse angepaßt, enthalte aber einen den Eingeweihten verständlichen tiefen, philosophischen Sinn. So entwickelt er der Kabbala folgend seine Philosophie als Heptaplus, als siebenfache Auslegung des biblischen Schöpfungsberichtes: 51) Grätz a. a. O. S. 247. 52) A. Jellinek: Beiträge zur Geschichte d. Kabbala. Leipzig 1852. 2. Heft, S. 51 ff. 53) Liebert a. a. O. S. 13.