Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1928 (1929)
- Date
- 1929-01-01
- Page
- – (sequence 53)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2720904-2721039--052-2726873- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
26 tionalismus und Mystik in der Gedankenwelt des jüdischen Mittelalters vollzieht.46) Marsilius Ficinus selbst hatte von der hebräischen Literatur eine nur indirekte Kenntnis. Nur Gabirol war ihm aus dem Fons vitae unmittelbar bekannt. Gleichwohl waren auch die jüdischen Philosophen und Kabalisten auf sein philosophisches Denken nicht ohne Einfluß. Insbesondere erinnert die starke Betonung der Liebe als Wesen Gottes und der Gottesliebe als Ziel des Mensehen und die Befreiung dieser Liebe zu Gott von ihrer intellektualistischen Interpretation an gleiche Gedankengänge Crescas״. Sollten hier die gleichen Wurzeln, Bibel und Platonismus gleiche Früchte erzeugt haben oder liegt ein Einfluß von Crescas auf Ficinus vor?47) PICO DELLA MIRANDOLA In unmittelbare intensive Berührung und Auseinandersetzung mit der jüdischen Gedankenwelt trat die Florentiner Akademie durch ihren nächst Ficino glänzendsten Vertreter, Giovanni Pico v. Mirandola (1463—1494). War Elia del Medigo sein Lehrer in der hebräischen Sprache und der aristotelischen arabischjüdischen Philosophie, so wurde Jochanan Aleman sein Führer in der Kabbala. In ihr wurde Pico heimisch und fand darin eine Bestätigung des Christentums. Vidi in illis (libris cabbalisticis) religionem non tarn mosaicam, quam christianam.48) ,,Der Gegensatz zwischen unserer und der jüdischen Religion ist bloß ein scheinbarer. Er beruht allein darauf, daß die Juden nur den Buchstaben des Gesetzes, der immer tötet, ins Auge fassen, während wir seinen Geist, der da Leben schafft, zu ermitteln suchen. Ich will ein Beispiel dafür anführen, auch um zu zeigen, daß die Juden auf Grund der Autorität der Kabbala notwendig unserer Glaubenslehre beipflichten müssen.49)“ Unter den 900 Streitsätzen, welche der 24jährige Pico zu verteidigen sich anheischig machte, war auch die These: Daß keine Wissenschaft mehr Gewißheit über Christi Gottheit gäbe, als die Magie und die Kabbala.50) 46) Ph. Bloch: Geschichte der Entwicklung der Kabala und der jüdischen Religionsphilosophie. 1894. S. 38 ff. 47) Cassuto: Gli Ebrei a Firenze nel’ Eta del Rinascimento. 1918. pag. 277—281 u. Heinemann: Die Lehre von der Zweckbestimmung des Menschen. 1920. S. 82. 48) Graetz: Gesch. d. Juden. Bd. VIII. 3. Aufl. S. 246. 49) Giov. Pico della Mirandola ausgewählte Schriften, übers, u. eineleitet v. Arthur Liebert. Leipzig 1905. S. 231. 50) Liebert a. a. O. S. 225.