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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1929-01-01 · 1928 (1929) · page 52

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1928 (1929)
Date
1929-01-01
Page
– (sequence 52)
Language
German
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IRI
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25 sondern bedingt durch die Empfänglichkeit des Geistes, also beherrscht von der Notwendigkeit. So lösen Liebe und Notwendigkeit einander in der ganzen Schöpfung ab, so jedoch, daß die Liebe das Erste und das Letzte aller Dinge ist. Wie in goldigem Strahlenglanz der Sonne erstrahlt die Welt in der Liebe des göttlichen Geistes, der sie durchwebt.44) In Marsilius Ficinus verschmilzt die Erneuerung des Piatonismus mit der Innigkeit biblischer Gotteserkenntnis und Gottesliebe, die Quell der tiefsten religiösen Kräfte der Renaissance ist. Der Neuplatonismus der Florentiner Akademie ist eine die Gemüter mächtig ergreifende philosophische Religion, deren Grundgedanke jene beseligende, mystische Liebe ist, die zur vollen Vereinigung der von den Fesseln des Irdischen befreiten Seele mit Gott führt. ,,Während die Menschen des Mittelalters die Welt ansehen als ein Jammertal, welches Papst und Kaiser hüten müssen bis zum Auftreten des Antichrist, während die Fatalisten der Renaissance abwechseln zwischen Zeiten der gewaltigen Energie und Zeiten der dumpfen Resignation oder des x\berglaubens, erhebt sich hier, im Kreise auserwählter Geister. die Idee, daß die sichtbare Welt von Gott aus Liebe geschaffen, daß sie ein Abbild des in ihm praeexistierenden Vorbildes sei, und das er ihr dauernder Beweger und Fortschöpfer bleiben werde. Die Seele des einzelnen kann zunächst durch das Er- ♦ kennen Gottes ihn in ihre engen Schranken zusammenziehen, aber auch durch Liebe zu ihm sich ins Unendliche ausdehnen, und dies ist dann die Seligkeit auf Erden. Hier berühren sich Anklänge der mittelalterlichen Mystik mit platonischen Lehren und mit einem eigentümlichen modernen Geiste. Vielleicht reifte hier eine höchste Frucht jener Erkenntnis der Welt und des Menschen, um derentwillen allein schon die Renaissance von Italien die Führerin unseres Weltalters heißen muß.45)“ Frei von aller dogmatisch-pessimistischen Färbung des Gottesglaubens und frei auch von der Exklusivität der Heilgeschichte des Christentums, erstrahlt hier innigste Gottesliebe vereint mit der Liebe zur Schönheit der durch Gott erleuchteten Welt. Zu jenen ,,Anklängen mittelalterlicher Mystik“ aber gehört auch die auf die Florentiner Akademie bedeutsam einwirkende Ivabala. die die selbst durch die Reaktion gegen den Aristotelismus hervorgerpfene Form ist, unter der sich der Gegensatz zwischen Ra- 41) Ficinus a. a. O. V. Rede; Kap. 11, S. 126 ff. 45) Burckhardt: Kultur der Renaissance, VI. Absehn., Kap. 5, Ende,

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