Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1928 (1929)
- Date
- 1929-01-01
- Page
- – (sequence 51)
- Language
- German
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24 sie ihn nicht auch lieben. Die ihn erkennen und lieben, werden von Gott wiedergeliebt, nicht weil sie ihn erkennen, sondern weil sie ihn lieben. Was uns also in den Himmel zurückführt, ist nicht die Erkenntnis Gottes, sondern die Liebe.41) Darum werden auch die Rangstufen bei dem himmlischen Gastmahle nach den Graden der Liebe gemessen. Dabei genießen die mannigfaltigen Seelen die unterschiedlichen Ideen des göttliehen Geistes nach Maßgabe des Aufschwunges, welcher ihnen die Liebe verliehen. Alle aber genießen Gott ganz, weil er in jeder Idee ganz ist. Ein jeder genießt die Tugend Gottes, welche er im Leben liebte. Darum fehlt im Chor der Seligen der Neid. So stellt uns die Liebe zu Gott in unserer ursprünglichen Voll־ kommenheit wieder her und führt uns in den Himmel zurück. Zweitens weist sie jedem seinen gebührenden Platz an und befriedigt alle bei dieser Verteilung; und drittens entfacht sie in uns stets neues Wonnegefühl.42) Die Schönheit aber ist der Blütenschmuck der Güte und lockt und leitet die Liebenden zum Guten. Das Angesicht Gottes strahlt aus drei der Reihe nach aufgestellten Spiegeln zurück: aus dem Engel, der Weltseele und dem Weltkörper, und zwar aus dem ersten als dem nächsten am deutlichsten, aus dem zweiten entfernteren weniger deutlich und aus dem dritten als dem entfemtesten recht verworren. Den Glanz und den Liebreiz dieses Angesichtes muß man, ob er nun im Engel, in der Seele oder im Weltkörper sich darstellt, als die universale Schönheit bezeichnen, und das Verlangen, welches sich auf sie richtet, ist die allumfassende Liebe.43) Die göttliche Liebe hat allen Dingen, welche ihr entsprossen sind, den Ursprung verliehen. In ihr besteht kein Zwang der Notwendigkeit; sie wirkt jegliches nicht gezwungenermaßen, sondern aus freiem Willen. Der Engelsgeist hingegen, welcher nach ihm kommt, sprießt mit Notwendigkeit aus dem Sonnenkeime Gottes hervor. Gott erschafft ihn aus Liebe; er aber entsteht mit Notwendigkeit. In diesem notwendigen Hervorgehen des Produktes, welches zugleich eine Entartung bedeutet, da es aus Gott herausgetreten ist; besteht die Herrschaft der Notwendigkeit. Und nun löst die Liebe des'Geistes zu Gott wieder die Notwendigkeit äfe. Aber diese Liebe׳ ist nicht vollkommen, Ui 41) Ficinus a. a. O. IV. Rede, Kap. 6, S. 100. 4i) Ficinus a. a. O. S. 101. 41) Ficinus a. a. O. V. Rede, Kap. 4, 112 ff.