Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1928 (1929)
- Date
- 1929-01-01
- Page
- – (sequence 48)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2720904-2721039--047-2726868- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
21 in der der Mensch zu dauerndem Wirken bestimmt ist, die Hervorhebung der sozial-ethischen Aufgaben des Menschen. Diese religiöse Weltanschauung stimmt mit grundlegenden Anschauungen des Judentums überein, während Plethon selbst ihren Gegensatz zu entscheidenden Dogmen des Christentums, zur Trinität, dem Sündenfall, der Rechtfertigung und dem Jenseits hervorhebt. So ist Plethon der Denker, der die Religionsphilosophie der Renaissance inauguriert, indem er den Gottesbegriff und die Ethik aus der Exklusivität der Heilsgeschichte des Christentums heraushebt. b) Die Florentiner Akademie. MARSILIUS FICINUS Eine nationale Bedeutung gewann die Erneuerung des Piatonismus durch Gemistos Plethon in der von Cosmo v. Medici begründeten Florentiner platonischen Akademie, die in Marsilio Ficino (1433—1499) ihren Führer hatte. Wie sehr dieser den Piatonismus mit der Kirche zu vereinigen suchte, bleibt auch er von dem Pessimismus der christlichen Weltanschauung doch weit entfernt. ,,Das Gute ist die hervorragende Wesenheit Gottes. Die Schönheit ist eine Wirkung oder ein Lichtstrahl, welcher, von ihm ausgehend alles durchdringt: zuerst den Engelsgeist, zweitens die Allseele und die Einzelseelen, drittens die Natur, viertens die Materie der Körper. Dieser Lichtstrahl schmückt den Geist mit dem System der Ideen, erfüllt die Seele mit der Reihenfolge der Begriffe, stärkt die Natur mit den Keimformen und stattet die Materie mit Formen aus. Wie ein und derselbe Sonnenstrahl vier Körper, nämlich Feuer, Luft, Wasser und Erde erhellt, so erleuchtet ein Lichtstrahl Gottes den Geist, die Seele, die Natur und die Materie. Und wie ein jeder, welcher in jenen vier Elementen das Licht sieht, den Sonnenstrahl erblickt und durch ihn veranlaßt wTird zu dem erhabenen Sonnenlicht selbst aufzuschauen, ebenso schaut und liebt ein jeder, der die Herrlichkeit in diesen vier, nämlich Geist, Seele, Natur und Materie betrachtet und liebt, in jenen den Lichtstrahl Gottes und durch ihn Gott selber/'35) ' In dieser von Gott durchleuchteten Welt herrscht die Liebe. Denn eine dreifache Stufenfolge herrscht in ihr von höheren, niederen und gleichstehenden Wesen. Die höheren sind die Ur- 35) Marsilius Ficinus: Ueber die Liebe oder Platons Gastmahl, übers, v. Karl Paul Hasse 1914. II. Rede, 5. Kap. S. 68.