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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1929-01-01 · 1928 (1929) · page 47

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1928 (1929)
Date
1929-01-01
Page
– (sequence 47)
Language
German
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20 und ihm verwandtes; zweitens ist er ein Teilchen anderer über ihm stehender Teile dieses Alls, welches eine einheitliche, aus vielen bestehende Gesamtheit bildet, und hat also irgend einen Ort inne dergestalt, wie es sowohl für ihn als für das Ganze am meisten von Nutzen ist.32) Demzufolge ist es die Pflicht des Menschen in Gemeinschaft mit dem All und in menschlicher Gemeinschaft zu leben, sowie die über uns stehenden Arten noch gemeinschaftlicher als die Menschen leben. Der gute Bürger, der grade das am meisten im Auge hätte, gemeinsam zu leben, würde davon den größten Vorteil haben, nicht bloß deshalb, weil er auf diese Weise naturgemäß und menschlich lebte, sondern auch weil er den über ihm stehenden Ar^en dadurch sich so ähnlich wie möglich machte. Die höheren Arten aber sind Stufen der Götter, die vom Menschen aufwärts hin zu Zeus führen.33) Da die menschliche Gemeinschaft nur ein Teil der großen Gemeinschaft des Alls ist, schulden wir den höheren Wesen Verehrung, deren Ausdruck in Gebeten und Gesängen, Weihen und Opfern besteht. Kein Frommer wird also diese vernachlässigen. Nur darf er sie nicht in dem Sinne darbringen als bedürfe die Gottheit derselben oder als könne er dadurch die Gottheit beeinflussen. Er bringt sie dar als eine Anerkennung der Gottheit und um sich durch die Erinnerung an die Gottheit im Guten zu stärken und vom Bösen abzuwenden. Je mehr er diese Mittel der Frömmigkeit anwendet, um so mehr wird er sich befähigen, den Gipfel aller Tugend zu erreichen, das Gottdenken, das geistige Schauen des großen Zeus, worin alle Glücksseligkeit der Götter und Menschen besteht.34) In dieser Betonung der sittlich-sozialen Aufgaben des Menschen als nicht nur der Mittel zur Herbeiführung eines glücklichen irdischpolitischen Lebens, sondern als Annäherung an göttliches Leben und in der Unterordnung des Kultus unter die sittlichen Aufgaben sehen wir wiederum die Uebereinstimmung Plethons mit dem Inhalt der jüdischen Ethik und ihrer Stellung in der jüdischen Religion. So bedeutet die Philosophie Plethons nicht nur die kraftvolle Erneuerang des Neuplatonismus und der Stoa, sondern zugleich die starke Hervorhebung des strengen Monotheismus, die Anerkennung der Harmonie und Vollkommenheit der Welt, 32) Schultze: a. a. O. S. 224. 33) Schultze: a. a. O. S. 225. 34) Plethon: Nomoi S. 150; Schultze a. a. O. S. 248.

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