Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1928 (1929)
- Date
- 1929-01-01
- Page
- – (sequence 46)
- Language
- German
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19 nünftige Menschenseele kann nie den Leib eines unvernünftigen Wesens annehmen. Die Lehre der Seelenwanderung steht in Gegensatz zur Lehre des Christentums. Gleichwohl hält Plethon seine Lehre für glaubwürdiger als die des Christentums, die größere aber eitle Hoffnungen erwecke. ,,Die Sophisten hingegen sprechen weder dem All noch der menschlichen Seele eine vollständige Ewigkeit zu, indem sie beide für in der Zeit entstanden ansehen und ihr nur eine Ewigkeit der Zukunft zugestehen. Die nach beiden Richtungen ausgedehnte Ewigkeit aber ist größer und schöner als jene halbe. Und diese Art der Ewigkeit vollkommener und erhabener als jene/'29) Man begreift, daß Gennadios und Georg v. Trapezpnt Plethon aufs eifrigste bekämpften und ihn für einen zweiten• Mohammed — im Zeitalter der Bedrohung der Kirche durch die Türken — ansahen. Georg wollte Gebete Plethons an die Sonne als den Schöpfer der Welt gelesen und die Aeußerung von ihm gehört haben: binnen kurzer Zeit werde der Erdkreis dieselbe Religion annehmen und diese vom Heidentum nicht sehr verschieden sein. Um so bedeutungsvoller aber wird nunmehr die biographische Tatsache, die von Gennadios berichtet wird, daß Plethon der Schüler des Juden Elissaios gewesen sei.30) Wie Plethon in der Metaphysik anstelle des Aristotelismus den Platonismus erneuert, tritt er in der Ethik Aristoteles ent-* gegen und verschmilzt die stoische und platonische Tugendlehre. Die Uebereinstimmung des menschlichen Verhaltens mit dem göttlichen ewigen Gesetz ist bei ihm wie bei den Stoikern der Kern der Sittlichkeit. Die Tugend allein ist ein Gut im wahren Sinne des Wortes; sie reicht völlig zur Glückseligkeit aus. Die Tugend ist nichts Mittleres. Was zwischen den äußersten Gegensätzen gut und böse liegt, ist kein Gut, sondern ein Gleichgültiges. Unter den Tugenden werden die adzdpxeta und ä7rdttsta besonders hervorgehoben. Die höchste Tugend ist aber im Unterschiede zur Stoa und hierin ist Plethon Platoniker, nicht die praktische Weisheit, sondern das theoretische Denken und Schauen der Gottheit.31) Ein jeder von uns ist erstens ein Werk Gottes, nicht ein ihm fremd gegenüberstehendes, sondern ein zu ihm gehörendes 29) Nomoi S. 256 ff.; Schultze a. a. O. S. 212. 30) Schultze a. a. O. S. 27. 31) Plethon: ITspl apsx7j<; und 3. Buch der Nomoi; Schultze a. a. O. S. 220 ff.