Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1928 (1929)
- Date
- 1929-01-01
- Page
- – (sequence 45)
- Language
- German
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18 so bildet der Mensch das Verbindungsglied zwischen der unsterbliehen und sterblichen Natur. ,,Diese in dem ganz vollendeten Staate des Alls weder überflüssige noch völlig wertlose Stellung auf der Grenze der sterblichen und unsterblichen Natur“ nimmt der Mensch ein.27) Während in dein vorewigen Zeus Sein und Tätigkeit (Denken und Wollen) eins und dasselbe ist, während in den ewigen Ideen Sein und Tätigkeit zwar schon verschieden, doch die Tätigkeit in unaufhörlicher Wirksamkeit ist, ist in der unsterblichen Seele des Menschen nur noch ein Teil tätig. Wegen ihrer Verbindung mit dem sterblichen Leibe unterliegt die menschliche Seele dem Irrtum. Die Seelen der Menschen werden nicht erst bei der Geburt gebildet; sie sind ewig wie das All selbst, nur erinnern wir uns unserer Praeexistenz nicht. Aber der göttliche Teil unserer Seele, der vo&c gibt uns Kunde von unserem göttlichen Ursprung und also auch von unserer Unsterblichkeit. Ihrer gemischten Natur entsprechend aber kehrt die Seele nach dem Tode des Körpers nicht zu den überhimmlischen Göttern zurück. Von Angesicht zu Angesicht verkehrt sie mit den ihr näher verwandten innerhimmlischen Göttern und wird von ihnen über ihre Pflichten belehrt. Doch erinnert sich die Seele auch wieder aller der Leben, welche sie schon früher sowohl hier unten als dort oben durchlebt hat. Denn die Seele bleibt nicht in jenem himmlischen Aufenthaltsort, sondern muß wieder in einen menschliehen Körper zurückkehren.28) Weder kann die Seele immer mit dem Körper vereinigt, noch immer von ihm getrennt bleiben. Denn bliebe sie immer mit dem Körper zusammen, so wäre der Mensch unsterblich und nicht ein Grenzgebiet zwischen Sterblichem und Unsterblichem. Würde aber das Unsterbliche nur einmal mit dem Sterblichen in Verbindung gesetzt und kehrte dann wieder zu dem himmlischen Ort zurück, so würde gleichfalls das Grenzgebiet zwischen Sterblichem und Unsterblichem aufgehoben sein. Denn die Zahl der Seelen ist nicht endlos, sondern eine bestimmte und beschränkte Zahl, da die Welt ein vollendetes System ist, in dem weder Ueberfluß noch Mangel herrscht. Nur ist die Seelenw^anderung nicht eine Wanderung durch Pflanzen- und Tierleiber, denn die ver- 27) Nomoi S. 194; Schultze a. a. O. S. 196. 28) Nomoi S. 190; Schultze a. a. O. S. 207.