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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1929-01-01 · 1928 (1929) · page 40

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1928 (1929)
Date
1929-01-01
Page
– (sequence 40)
Language
German
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legt, so fehlt auch der Ethik die feste Basis. Statt die Tugend auf die Idee des Guten zu gründen, findet er sie in der Mitte zwischen zwei Extremen, welch letztere ihm als Laster gelten. Er nimmt mithin als Maßstab zur Bestimmung der Tugenden und der Laster nicht die Begriffe des Guten und Bösen, durch die allein doch jene richtig bestimmt werden können. Zudem faßt er die Lust als Bestandteil der Glückseligkeit und zwar so, daß diese erst durch jene vollendet wird. Nicht aber in der Lust, vielmehr in der Anschauung des Ureinen, des Urguten, das alles anderen Guten Urquell ist, liegt das höchste Gut des Menschen und so lehrt Platon. Doch dies will Aristoteles nicht anerkennen, der die Ethik wie die Physik im Gegensatz zu Platon von der Theologie lostrennen will.10) So ist die Kritik Plethons an Aristoteles von religiösen Gesichtspunkten beherrscht. Bedenkt man nun, daß Aristoteles zur Zeit Plethons noch immer ,,der Philosoph“ war, so begreift man den Sturm, den die Schrift Plethons hervorrief. Welches System stellt nun Plethon unter Zugrundelegung der platonischen Philosophie Aristoteles gegenüber? Glückseligkeit ist das gemeinsame Ziel aller Menschen, das Streben danach der innerste Beweggrund alles menschlichen Handelns. Aber dieses Ziel wird auf sehr verschiedenen Wegen gesucht. Im Gegensatz zu den Anschauungen, die die Tugend in der Unwissenheit, in Opfern und Zeremonien, in der Ehelosigkeit, Armut, Enthaltung von verbotenen Speisen, gar in Unreinlichkeit und Schamlosigkeit sehen oder die Tugend nur um des Lohnes willen erstreben, besteht für Plethon die wahre Glückseligkeit des Menschen in der vollen Befriedigung seines Wesens. Um aber sagen zu können, worin diese Befriedigung zu suchen sei, muß man zuerst das Wesen und die Natur des Menschen kennen. Dieses aber ergibt sich aus der Erkenntnis des Alls. Denn der Mensch ist ein Glied des Alls. So bildet die Beantwortung der Frage nach dem Wesen des Alls und der Natur des Menschen die Voraussetzung für die Lösung der Aiifgabe, worin die Glück- Seligkeit besteht und wie dieselbe zu erreichen ist.11) Diese Erkenntnis des Alls aber findet sich nicht bei den Sophisten, welche Wunder zu tun vorgeben und gewisse großartige Dinge uns aus göttlicher Machtfülle zu vollbringen scheinen und deren Erzählungen durch Gewohnheit einen großen Einfluß 10! Contra Gennad. S. 74, 75; Schultze a. a. O. S. 89. 11) Nomoi S. 20, 22; Schultze a. a. O. S. 181.

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