Mannheim
Compact Memory

Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1929-01-01 · 1928 (1929) · page 39

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1928 (1929)
Date
1929-01-01
Page
– (sequence 39)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2720904-2721039--038-2726859
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

5 entity mentions

12 seinen! religiös-platonischen Standpunkte Aristoteles׳ Metaphysik״ Theologie, Psychologie und Ethik. Da er den Aristoteles besser kennt als die mittelalterliche Scholastik, die ihn mit dem neuplatonischen Aristotelismus identifiziert, kann er nicht Thomas v. Aquin folgen. Von seinem religiös-ethischen Standpunkt aus verwirft er in der Metaphysik die aristotelische Auffassung der Universalien. Das Einzelne ist des Allgemeinen wegen da, nicht das Allgemeine wegen des Einzelnen. Daher dürften nicht die itpmm odoiat über die deurepac gesetzt werden. Alle Einwände, die Aristoteles gegen die platonische Ideenlehre vorgebracht hat, sind unzureichend und verraten nur eine zu große Schätzung des Sinnlichen und Materiellen. Und was hat er zur Erklärung der Dinge, nachdem er die Ideen geleugnet, an deren Stelle zu setzen? Nur das Gesetz und die Kraft der ewigen Bewegung7). Solche Irrtümer über die Prinzipien der Dinge machen sich auch in allen andern Gebieten der Philosophie, besonders in der Theologie geltend. Während Platon in Gott den Schöpfer aller Dinge sieht, spricht ihm Aristoteles alle schöpferische Tätigkeit ab, denn er sagt, die ewigen Wesen seien nicht entstanden und haben also keine Ursache ihrer •Entstehung. Die Welt gilt ihm für ewig, sie hat also keinen Entstehungsgrund; also ist Gott auch nicht ihr Schöpfer, sondern bloß ihr Beweger. Was soll man aber von einem Manne denken, der ,,dieses schönste Dogma nicht bloß der Philosophie, sondern aller verständigen Menschen“ leugnet!8) Gott ist für Aristoteles nur Zweck der Bewegung, nicht aber Zweck jedes einzelnen Dinges. Von der Annahme einer göttlichen Vorsehung kann bei ihm auch keine Rede sein. In der Psychologie bestreitet Aristoteles die platonische Lehre der Wiedererinnerung und selbst die Lehre der Unsterblichkeit ist nicht dem Zweifel entrückt. Wenn nicht alles trügt, ist er der Meinung gewesen, die Seele sei sterblich. Jedenfalls macht er die Lehre von der Unsterblichkeit nicht zum Hebel der Tugend. In der Ethik sagt er sogar, nach dem Tode bleibe für den Menschen kein einziges Gut mehr übrig. Wie kann man eine solche Behauptung aufstellen, wenn man die Seele für unsterblich hält?9) Weil im Grunde Aristoteles auf das Göttliche kein Gewicht 7) Schultze a. a. O. S. 84 ff. 8) De diff. c. 1. Contra Gennad. S. 62, 63. Schultze a. a. O. S. 85. 9) De diff. Kap. 11.; Schultze a. a. 0. S. 88.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.