Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1928 (1929)
- Date
- 1929-01-01
- Page
- – (sequence 38)
- Language
- German
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11 Eine so große Bedeutung demgemäß die Renaissance- Philosophie für die Naturerkenntnis und für die Erkenntnistheorie, für die Beziehung des erkennenden Ich zur Natur als Gegenstand der Erkenntnis erlangt, wollen wir hier nicht diesen Leistungen nachgehen, sondern vor allem zu erfassen suchen, welche Wandlung des religiösen und sittlichen Bewußtseins Ursprung und Resultat der Weltanschauung der Renaissance ist. Hier nun ergibt sich dann unser spezielles Problem, Anteil und Beziehung der jüdisch-religiösen Weltanschauung zur Weltanschauung der Renaissance darzulegen. a) Georgios Gemistos Plethon. Die Erneuerung des religiösen und sittlichen Bewußtseins der Renaissance vollzog sich im innigen Zusammenhang mit der Erneuerung des Platonismus im 14. und vor allem im 15. Jahrhundert. Die Erneuerung des Platonismus nach der unbedingten Herrschaft des Aristoteles im 13. Jahrhundert hat nicht nur philosophisch-begriffliche Ursachen. Sondern wenn Platon gegenüber Aristoteles der Genius der Philosophie der Renaissance wird, so bedeutet die Wiederbelebung des Platonismus und der Kampf gegen Aristoteles vom Boden des Platonismus aus in Wahrheit den Kampf gegen die kirchliche Scholastik, die mit dem Aristotelismus unauflöslich verschmolzen war. In diesem Geiste und im vollen Bewußtsein seines Gegensatzes zur Weltanschauung der Kirche erneuerte Georgios Gemistos Plethon (1335—1450) den Platonismus und wurde er der geistige Urheber der Florentiner Akademie. Denn von seinen Vorträgen hingerissen begründete Cosmo v. Medici die für die gesamte humanistische Wissenschaft so bedeutungsvolle Florentiner Akademie, wie Plethons Schrift ,,Ueber den Unterschied der platonischen und aristotelischen Philosophie“ den Anlaß zu dem literarischen Kampf zwischen Platonikern und Aristotelikem gab6). Plethons Philosophie ist durchaus von religiösen Gesichtspunkten beherrscht. Theologie und Ethik sind für ihn untrennbar. Aristoteles’ physikalische Lehren und Schriften gelten ihm soviel, daß er selbst sagt, die in seinen Nomoi enthaltene Physik sei der Hauptsache nach aristotelisch. Hingegen verwirft er von ü) Vergl. Fritz Schultze: Georgios Gemistos Plethon und seine reformatorischen Bestrebungen. Gesch. d. Philos. d. Renaissance, 1. Bd. Jena 1874. S. 19.