Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1928 (1929)
- Date
- 1929-01-01
- Page
- – (sequence 37)
- Language
- German
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10 Es würde nur was unser Aug’ entzückt י Die Seele wünschen, wär ihr nicht mitgegeben Gottähnlichkeit! Sie weiß sich zu erheben Zur Urform, weil sie Flüchtiges nicht beglückt. Mir zeigt sich Gott (Ihm sei gedankt) nur In irgend welcher schönen Erdenhülle, Die lieb ich nur, weil Ihn sie offenbart5). Dieser religiöse Universalismus und Humanismus ist der unvergängliche Gehalt der Renaissance, er ,ist die Grundlage wie der Renaissance der Kunst, so der Philosophie. 1. Gott und Welt. (Der metaphysische Humanismus.) So wie der Ursprung der Renaissance in der Kunst tief in das Mittelalter hinabreicht, bricht in der Philosophie der neue Geist allmählich durch. Die Mystik und die Naturphilosophie in ihrer gegenseitigen Durchdringung sind hier, wie in der jonischen Natur- Philosophie, Zeugnis und schöpferischer Quell, aus dem der neue Naturbegriff und die neue Idee des Menschen hervorgeht. In Mystik und Naturphilosophie vereinigt sich die neue Energie des seiner Ursprünglichkeit sich bewußt werdenden religiösen Bewußtseins mit dem neuen Mut, unabhängig von Kirchen- und Schulautoritäten der Kraft des eigenen Erkennens sich anzuvertrauen. Allmählich klärt sich das dunkle Ringen religiöser, künstlerischer und wissenschaftlicher Kräfte und wie die Kunst der Renaissance durch ihren Seelenadel und ihre Formenklarheit, wird die Philosophie der Renaissance in den Systemen ihrer Denker Ausdruck der neuen Erkenntnis des Menschen und des Kosmos. Mathematik und Naturwissenschaft werden im Anschluß an pythagoreische und platonische Motive die Wissenschaften, die ihren Weltanschauungsgehalt entfalten und dem drängenden Idealismus wissenschaftliche Klarheit und Objektivität verleihen. Sie auch drängen ihrerseits zu neuen Intuitionen des religiösen Bewußtseins und zur begrifflichen Klärung des Verhältnisses von Gott und Welt. In alledem wird aber das stolze Gefühl bewahrt, daß der Mensch der Quell der Gottes-, Welt- und Selbsterkenntnis ist. Gott, Welt und Mensch, das ist das mit neuer Kraft ergriffene Thema der Renaissance-Philosophie. 5) Burdach: ebda. S. 168 ff.