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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1929-01-01 · 1928 (1929) · page 35

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1928 (1929)
Date
1929-01-01
Page
– (sequence 35)
Language
German
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IRI
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8 I. Die Renaissance. Humanismus, Reformation und Renaissance, die großen geistigen Mächte, die die Welt des Mittelalters auflösen und den Beginn der Neuzeit bedeuten, erstreben in ihrer ursprünglichen Absicht und nach dem Willen ihrer bedeutendsten Vertreter nicht eine künstliche Wiederbelebung der Vergangenheit und einer toten Kultur, sondern die Erneuerung des seelischen Lebens ihrer Zeit aus den tiefsten Quellen des Menschentums. Darum haben sie trotz der Verschiedenheit ihres geistigen Gehaltes doch den gleichen Ursprung in der Erneuerung des religiösen Lebens, wie diese zunächst im Schoß der Kirche durch Joachim v. Fiore und Franz v. Assisi sich vollzog. Gegenüber theologischer Gelehrsam־ keit, kirchlicher Macht, hierarchischem Prunk, Dogma und Buchstaben gilt es das Evangelium aeternum zu verwirklichen, die von Gott in der Gottebenbildlichkeit geschaffene Seele, die durch die Sünde deformiert ist, zu reformieren d. h. in ihre ursprüngliche gottähnliche Form zurück zu versetzen. Bonaventura verkündet diese ,,Neuheit des Lebens“ mit strömender Fülle des Gefühls. Für dieses Neuwerden ist nötig ,,neue Sehnsucht der Ewigkeit“, der ,,neue Geist“ und ,,das Herz von Fleisch“ anstelle des versteinten Herzens, die ,,neue Rede der Wahrheit“, ,,neue Beispiele der Liebe“, ,,neue Loblieder auf Gott“, ,,neue Beseligungen“2). Dieser Ruf Bonaventuras findet vielfältiges Echo in den lateinischen und italienischen Gesängen der Franziskanischen Kreise und ertönt mächtiger, menschlicher, irdischer in Dantes Vita nuova und Comedia. ,,Dante will die christliche Religion seiner Zeit, ihre Ethik, ihre Kirche, ihren Staat, ihre Kunst, ihre Wissenschaft durch die Kraft seines Wortes hinauf läutern, erneuern in der Wiedergeburt ihrer echten Menschlichkeit durch einen Ausgleich zwischen dem Christentum und dem nationalen römischen Altertum.“3) Hierdurch wird Dante der Lehrer Petrarcas und Rienzos und der Schöpfer der Renaissance. Hierdurch aber legt er auch die Saat für jene nationalen kirchlichen Reformbestrebungen, die durch Wiclif, Huß, Luther und Zwingli am mächtigsten verwirklicht wurden. Hier liegt aber auch der Punkt, wo sich die Begriffe der Renaissance und der Reformation 2) Vergl. Burdach: Reformation,. Renaissance, Humanismus. S. 45 ff. 3) Burdach: ebda. S. 52.

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