Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1928 (1929)
- Date
- 1929-01-01
- Page
- – (sequence 34)
- Language
- German
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7 mittelalterlichen religiösen Lebens, gestützt von der ungeheuren Macht der auf dem Prinzip der konfessionell abgegrenzten Offenbarung ruhenden Kirchen. ״Der Offenbarungsglaube kann wohl anerkennen, daß seine Wahrheit auch dem Wissen zugänglich ist und sich seiner Uebereinstimmung mit dieser ebenfalls auf Gott zurückgehenden Quelle der Wahrheit freuen. Seine Exklusivität anderen Religionen gegenüber läßt dagegen den Gedanken an eine religiöse Wahrheit außerhalb seines Kreises nicht aufkommen.“1) Wie hingegen die Neuzeit die Emanzipation des politischen, wirtschaftlichen, sozialen, künstlerischen, wissenschaftlichen Lebens von dem Einfluß der Kirche und Entfaltung ihres autonomen Gehaltes ist, steht im Mittelpunkte des religiösen Lebens der Neuzeit die Auseinandersetzung des überkonfessionellen Universalismus mit dem Konfessionalismus. Und je mehr der Druck der Kirche empfunden wird, gegen den das neuzeitliche geistige Leben sich emporringt, um so leidenschaftlicher wird die Auseinandersetzung zwischen Universalismus und Konfessionalismus, Vernunftreligion und historischen Religionen. Vergleichende Religionswissenschaft und Religionsphilosophie der Neuzeit sind durch die gleiche neue universalistische Geisteshaltung innerlich geeint. Das Judentum wird in die Auseinandersetzung mit der neuzeitlichen Kultur in doppelter Weise hineingezogen: einmal durch die Bedeutung seines Gottesbewußtseins und seiner Ethik für die Begründung einer neuzeitlichen religiösen Kultur. Sodann ergibt sich als Folge der wirtschaftlichen, sozialen und politischen Nivellierung der konfessionellen Gegensätze, infolge des Sieges der Aufklärung die Emanzipation der Judenheit und des Judentums aus mittelalterlichem Druck und mittelalterlicher Abgeschlossenheit. Damit aber zugleich die innere Krisis des Judentums, die auch die jüdische Gemeinschaft ergreifende Auseinandersetzung zwischen den Offenbarungsgrundlagen des Judentums und dein autonomen Geistesleben der Neuzeit. Universalismus und Konfessionalismus bilden wie das Problem des neuzeitlichen religiösen Lebens so auch das des Judentums der Neuzeit. So handelt es sich bei der Untersuchung der weltgeschichtlichen Bedeutung des Judentums für die Neuzeit zugleich um die Frage der religionsphilosophischen Begründung des Judentums in der Neuzeit. Unter diesen Gesichtspunkten sei versucht, das Verhältnis des Judentums zu den geistigen Strömungen der Neuzeit darzulegen. ף Julius Guttmann: Religion und Wissenschaft im mittelalterlichen und im modernen Denken. Festschrift zum 50jährigen Bestehen der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums. Berlin 1922. S. 173.