Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1928 (1929)
- Date
- 1929-01-01
- Page
- – (sequence 33)
- Language
- German
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6 Ordnung und Gesetze gegeben, der die Menschenseele mit dem Licht seiner Offenbarung erhellt und in immer neuen Offen־־ barungen zur Erkenntnis seines Willens führt, der in der Gottesliebe den Quell der Menschenliebe und der sozialen Ordnungen der Menschenwelt erschließt, in seinem Wort, in seinen Gesetzen und seinen geschichtlichen Fügungen den Heils weg der Menschheit bahnt, der Glaubensschatz der Menschheit geworden ist. Damit soll die geschichtliche Differenzierung der monotheistischen Religionen keineswegs in Abrede gestellt oder verdunkelt weiden, vielmehr die kultische, dogmatische und weitanschauliche Differenz anerkannt sein, die insbesondere von Paulus ab Judentum und Christentum trennt und in der Christologie und Rechtfertigungslehre des Christentums und dem auf diesen Lehren beruhenden Kultus ihren zentralen Ausdruck gefunden hat. Trotz dieses entscheidenden Unterschiedes aber hat das Judentum nie aufgehört, mit seinem Gottesbewußtsein und seiner Ethik ein wesentliches Element des Christentums zu bilden, wie dies in der Bedeutung des lebendigen, heiligen,; richtenden, vergebenden, gnädigen Gottes der Offenbarung für die Dogmatik und Ethik des Christentums, in der Aufnahme des A. T. in den Kanon der heiligen Schriften, in der Stellung des Dekalogs in den Soziallehren des Christentums, in der Identifizierung der lex Mosis mit dem stoischen Naturrecht in der Sozialphilosophie des Christentums zum Ausdruck kommt. In dem Maße nun, als in der Neuzeit die dogmatischen Grund-, lagen des Christentums aufgelöst wurden und sein religiösethischer, menschheitlicher Gehalt zur Entfaltung gelangte, erfolgte eine Annäherung der monotheistischen Religionen in dem Glaubensgehalt, der in der Religion des Humanismus, der Aufklärung und der Klassik seine Ausprägung erlangte. Judentum und Christentum wurden nun nicht mehr bloß dogmatisch einander gegenüber gestellt, sondern in ihrem menschheitlichen Gehalt geprüft und gewürdigt. Rationalismus und Mystik brachten zwar auch im Mittelal&f eijne Annäherung des geistigen Gehaltes der Schriftreligionen hervor, getragen von dem gemeinsamen religiösen und geistigen Besitz' der Bibel und der griechischen Philosophie, gefördert durch die politische und soziale Berührung des Islams, des Judentums und des Christentums. Aber gleichwohl durchbrachen auch so selbständige Denker wie Gazzali, Maimonides, Thomas v. Aquin und* Meister Eckardt nicht die Grenzen des Konfessionalisinus., Öffenbarung. und Konfessionalismus blieben die Grundlagen des