Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1928 (1929)
- Date
- 1929-01-01
- Page
- – (sequence 32)
- Language
- German
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Die weltgeschichtliche Bedeutung eines Ereignisses erschließt sich erst dann , wenn dieses Ereignis in dem Strom des geschiehtliehen Lebens zu seiner Wirksamkeit gelangt und in den von ihm ausgehenden Wirkungen erfaßt wird. So genügt es nicht, die weitgeschichtliche Bedeutung des Judentums darin zu sehen, daß die jüdische Religion, sein Gottesbewußtsein, sein Ethos ein die Welt umfassendes Neues an Gesinnung, Erkenntnis und Tat in sich schließt. Sondern es ist notwendig, die Wirksamkeit dieses Neuen in der Umgestaltung der geistigen Welt, in seinem Einfluß auf das religiöse, sittliche und geistige Bewußtsein der Menschheit zu erweisen. Nun sollte die Tatsache, daß aus dem Judentum zwei Weltreligionen, Christentum und Islam hervorgegangen sind, die weltgeschichtliche Bedeutung des Judentums genügend erhärten. Dadurch aber, daß zwischen den Epochen der altjüdischen Geschichte, dem israelitischen Prophetismus und dem pharisaischen Judentum ein überscharfer Gegensatz betont, wie auch zwischen Judentum und Urchristentum der geschichtliche Zusammenhang meist als der eines fundamentalen inneren Gegensatzes dargestellt wird, wird die Kontinuität und die in^ allen Epochen seiner Geschichte bewahrte geistige Einheit des Judentums und damit die weltgeschichtliche Bedeutung des Judentums in Abrede gestellt. Vollends zu schweigen von der Geschichtsmetaphysik, die meint, die europäische Kulturentwicklung von allen Einflüssen des Orients, also von Judentum und Christentum innerlich loslösen zu können. Erst allmählich beginnt die moderne Religionswissenschaft diese antithetische Methode zu verlassen und zur gerechteren Würdigung des religiösen Gehaltes des pharisäischen Judentums und seines inneren Zusammenhanges mit dem Prophet1sm\1$ zu gelangen. Auch die tiefe Verwurzelung des Gottesbewußtseins und Ethos des Urchristentums im Judentum und der Gegensätz von Jesus und den Pharisäern, der tiefgreifende religiöse Uebereinstimmung zur Voraussetzung hat, wird heut freier und objektiver erfaßt. So darf es als gesichertes Resultat der Religionswissenschaft angesehen werden, daß das Gottesbewußtsein des Judentums, das Bewußtsein des weltüberlegenen, einzigen, allmächtigen, gerechten und liebevollen, heiligen Gottes, der der Welt ihr Dasein, ihre