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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1927-01-01 · 1926 (1927) · page 95

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1926 (1927)
Date
1927-01-01
Page
– (sequence 95)
Language
German
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griff der Zülzer Gemeinde1). Wohl genossen diese kleineren!Mischen Siedlungen den Schutz der Herrschaft, der sie untere standen. Ihre Lage war indes so ungesichert, daß das Yorgehen der Zülzer Judenschaft im Verein mit anderen Faktoren sich später zu ihren Ungunsten auswirken mußte. Da die Machthaber in Schlesien, Fürsten wie Städte, sich kaum mehr gegen die privilegierten Glogauer und Zülzer Juden wenden konnten, so richteten sie ihr Augenmerk auf die ״uhangesessenen“ Juden im Lande. Strenge oberamtliche Yer- Ordnungen wurden erlassen, damit durch wiederholte Juden- Zählungen die Zahl der Juden und ihre Beschäftigung allerorts genau festgestellt werde. Diese Zählungen, zu denen das Oberamt von den Fürsten und Ständen gedrängt wurde, ' bezweckten etwas anderes als die früher vom Kaiser erförderten Consignationen. Ihre Absicht war klar. Man wünschte noch immer ״von dieser gefährlichen Menschenlast“ befreit zu werden. So hing das Damoklesschwert über dem Haupte der nicht privilegierten Juden, von denen man ״doch noch einen und den anderen hinauszuschaffen“ sich vorbehielt2). Berichte an Kaiser Joseph I. über die in Schlesien wohnenden Juden, die der Kammer nichts zahlen und dem Lande zur Last seien, vermochten es, ihn zu einem neuen Austreibungsbefehl zu bewegen. Nach dem oberamtlichen Patent von Ende des. Jahres 17083) sollten alle Juden aus den Städten und auf dem Lande, wo ihr Aufenthalt nicht durch ein besonderes Privileg gestattet war, binnen vier Wochen vertrieben und aus ganz Schlesien ausgewiesen werden. Bei Widerstand sollten sie ״manu militari abgeschafft und ausgejaget“ werden. Den *) Insbesondere wurden Breslauer Juden denunziert: ״Vor Bresslau, vorm oderthore, Jüdische hauffen, der Eine aufm Elbing, bestehendt in 12. Ansessigen mit weib, Kinder, und gesünde, aer Andere aufm Matzgutte bestehendt in 16 derglaichen Ansessigen, nicht weniger Im Matz- und Stein-Krötzschem, Etliche welche Meistens Präger, Pollnische und Andere frembde Juden seindt. Zu Michelau sitzet Einer bey welchem sich die Feyertäge über, wohl In die 30. und mehr Auffhalten. Zu Schön Jonssdorff Im Münsterbergischen dergl. Einer. Um Prauss| nitz herum und Im Neissischen Andere mehr, Alss Zu Pomssdorff, wo Ein Jude die Milch Speisse Ermiethet, der Auch seine Niederlage bey sich liat, von vielen Andern Juden“ (ibd. f. 68b). *) L. ad R. et P. (Br. Stadt-A. Hs. F. 8, 37) f. 53. •) Publik, d. kais. Befehls Bresl. 29. Nov. 1708, s. Friedenberg Tract. iur.-pract. T. I. S. 197 u. Lat. Pat. XII, f. 333.

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