Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1926 (1927)
- Date
- 1927-01-01
- Page
- – (sequence 94)
- Language
- German
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79 niedriger Brotneid allein, der die Zülzer Jndengemeinde zu einer Eingabe (Juni 1703) an das Kgl. Oberamt veranlaßte, in der sie um gnädigsten Schutz und Erhaltung bei ihren Privilegien ־״wider die frembde im Lande herum-Yagirende und unordentliche einschleichende Juden“ baten1). Die innere Un- Sicherheit von nach langer Knechtung frei gewordenen oder sich frei dünkenden Menschen hat die Zülzer die heiligste Tradition ihrer Väter vergessen lassen. In der Eingabe, die von Mißgunst diktiert, von Verleumdungen2) und Denunziationen3) strotzt, werden nicht nur die polnischen, sondern auch die Prager Juden dem Zugriff der Obrigkeit empfohlen. Irgendwelche unmittelbare Folgen hat anscheinend־ dieser Skrupellose Schritt der Zülzer Judengemeinde nicht gehabt. Besondere Eepressalien sind vom Oberamt im Anschluß an diesen Schritt weder gegen böhmische oder polnische Juden noch gegen die im Lande verstreut wohnenden schlesischen Juden vorgenommen worden. Die jüdische Bevölkerung in Schlesien war durch Vermehrung und durch Zuzug aus deutschen Ländern wie aus Böhmen, Mähren und Polen inzwischen beträchtlich angewachsen. Die beiden Gemeinden Zülz und Glogau beherbergten zwar den größten Teil der schlesischen Judenheit, doch hatte bereits die Judenschaft von Breslau wie auch die Landgemeinde an Bedeutung gewonnen4). Gegen diese und nicht nur gegen fremde Juden richtete sich eigentlich der An- ף Br. St.-A. F. Opp. Rat. II 15 c f. 67—8. *) ״Gleichwohlen unterstehen sich frembde Juden, zu halb- und ganzen Dutzendt-Weise im Lande herum zu vagiren, die unter keiner Disciplin leben, ... dem publico wenig oder nichts beytragen, ... das Landt beyorteln und beschädigen, andere Ehrlicheingeworbene Juden hierdurch odieus machen, dass sie also, umb Ihrentwillen, in ihren Handel, Wandel irnd Nahrung, mercklichen gehändert, an Ihren teuer erworbenen Privilegien harte gekräncket werden, ujid sich das Brodt gleichsam vorm Munde weg nehmen lassen müssen.“ ibd. f. 67 b. 3) In einer beigef. Specifikation werden die Juden aufgezählt, die sich eigenmächtig niedergelassen haben. 4) In Glogau wohnten um diese Zeit wohl nicht viel mehr als 1500 Juden und in Zülz war die Zahl von 600 kaum noch erreicht (s. Rabin a. a. O. S. 18). Brann (Etw. v. d. schles. Landgemeinde, Guttmann-Festschr. S. 231) gibt für das Jahr 1722 die Zahl der Juden der Landgemeinde mit etwa 650 an. Ferner zählte Breslau im gl. J. nach Brann, d. schles. Judenh. vor u. nach d. Edikt v. 11: März 1812, S. 6, 775 jüd. Seelen, davon 159 aus Polen, s. ders., L. R. S.19, Anm. 4.