Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1926 (1927)
- Date
- 1927-01-01
- Page
- – (sequence 85)
- Language
- German
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76 Die Ziilzer. Juden konnten nur eine teilweise Milderung dieser Verordnungen für sich erwirken* 1). Die Läge der Juden- Schaft drängte nach einer Klärung. Bei ihren wiedereinsetzenden Bemühungen schlugen die Vertreter der Ziilzer Judenschaft einen ungewöhnlichen Weg ein. Da das Oberamt allen Ermahnungen des Kaisers entgegen seine offizielle Stellungnahme zur Frage der Privilegierung noch immer nicht bekunden wollte, so wurden dem erneuten Gesuche an den Kaiser nicht nur sämtliche Urkunden beigegeben, welche die Bechtsgrundlage der Confirmation bildeten, sondern es wurde auch der böhmischen Hofkanzlei eine Abschrift des vom Landeshauptmann von Oppeln-Batibor früher abgegebenen Berichtes überreicht. * So war der Kaiser über die Ansichten derjenigen oberen Behörde unterrichtet, auf deren Aeußerungen schon in seiner ersten Anfrage an das Oberamt besonderes Gewicht gelegt worden war. Kunmehr konnte sich das Oberamt der Aufforderung des Kaisers nicht länger entziehen2). Das Gutachten wurde abgefaßt und vom gesamten Collegium acceptiert3). Ein Vergleich zwischen jenem zurückgehaltenen Gutachten vom März 1689 und der nunmehr beschlossenen Fassung belehrt uns über die inzwischen vorgegangene Wandlung. Während früher eine rückhaltlose Empfehlung der Confirmation ausgesprochen wurde, werden jetzt die verschiedensten Bedenken geäußert und die Zustimmung wird nur unter wesentliehen Einschränkungen gegeben. L. Procl). (Die L. Procl. sind dem Br. Stadt-A. verloren gegangen.) (S. auch L. ad R. et P. f. 198, 7. Juni 1694.) Im J. 1697 suchte d. Br. Rat das Erscheinen v. Juden auch an den Jahrmärkten möglichst zu beschränken. Die Judenfrauen sollten überhaupt nicht hereingelassen werden (März 1697)• Die Ziilzer Juden-Aeltesten petitionierten dagegen (15. März 1697, Br. Stadt-A. Sign. B. p. 46). Die Zahl der in Bresl. ansässigen Juden betrug damals etwa 130 (vgl. Brann, Gesch. d. L. R. S. 15). Zu einer Austreibung sämtl. Juden aus Breslau, um die sich der Bresl. Rat bemühte, wollte das 0. A. sich nicht verstehen. (20. März 1698, s. Seidel a. a. O. S. 540 nach L. Procl. f. 290—2; vgl. den ablehnenden Bescheid durch d. kais. Oberfiscal, Grünhagen II S. 347.) l) Die Durchführung des Dekrets wurde auf ein Jahr verschoben (ibd. v. 18. März). *) Br. St.־A. F. Opp. Rat. II 15 c f. 47 nennt als Datum der kais. Anfrage den 2. April 1699. 8) Ibd. f. 46—49 Entwurf Breslau 25. Mai 1699. (Im Anhang abgedruckt III 2.)