Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1926 (1927)
- Date
- 1927-01-01
- Page
- – (sequence 82)
- Language
- German
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67 Vielleicht war diese neue Bedrückung die unmittelbare Veranlassung für die Zülzer Juden zur Wiederaufnahme ihres Kampfes um die Privilegierung. Ob ein neues Gesuch an den Kaiser ergangen ist, oder ob ohne eine solche direkte Eingabe ihre Freunde bei Hofe sich für sie eingesetzt haben, wissen wir nicht. Die Tatsache ihrer Bemühungen, die spätestens Ende 1694 wieder aufgenommen wurden, steht aber außer Zweifel. Die Zülzer Juden wurden jedoch in ihren Erwartungen immer wieder enttäuscht. Die Hochflut der judengegnerischen Kundgebungen der letzten Jahre hatte ihre Wirkung auf das Oberamt nicht verfehlt. Von einer judenfreundlichen Stimmung konnte jetzt nicht mehr die Bede sein. Wenn man der indiskreten Aussage eines in die Angelegenheit eingeweihten Beamten trauen darf, stand es um die Sache der Zülzer schlecht1). Was in Breslau versagt wurde, sollte persönliche Beeinflussung und das alte wirksame Mittel bei Hofe erreichen. Um ״mehrere der Zültzischen Judengemeinde ihre Kegotia bey allhiesigem kays. Hofe zu sollizitiren“, begab sich der Abgesandte der Zülzer zur böhmischen Hofkanzlei. Dort beschloß er, sein Heil mit einem neuen Memorial an den Kaiser zu versuchen, um die Bestätigung der Privilegien endlich zu erreichen2). Die Quellen schweigen über den Verlauf der Sendung. Was vermochte schließlich auch der Zülzer Jude auf seinen Irrfahrten gegen die beharrliche Gegnerschaft der schlesischen Gewaltigen! x) s. Schreiben des ״Jacob Pinkuss, Judt von Zülz“ an d. vorübergehend in Brünn weilenden Grafen v. Proskau (19. Jan. 1695, Ges. A. d. deutschen Juden, Zülz, Dep. VI, S. 27—30). Darin teilt er dem Grafen mit, er habe von dem Referendarius V. Pein erfahren, ״daß ein königl. Oberambt gar ein schlechtes Guttachten für die Zülzische Judengemeinde zu dem kays. Hofe ertheilet, undt viel lieber uns Juden von Ziltz hinweg als dorthen verbleiben sehen möchte“. Die späteren Eingaben der Zülzer Juden an das Oberamt um Beschleunigung eines Gutachtens lassen allerdings diese Mitteilung zweifelhaft erscheinen. Der Brief entstammt dem Archiv der Zülzer Herrschaft. Nach dem großen Brande v. J. 1791 legten die Aeltesten der Gemeinde eine Aktensammlung wichtiger Urkunden an. Hierin hat sich auch dieses interessante Dokument erhalten. *) Er erbittet dazu die Hilfe Georg Christophs v. Proskau, in dessen Händen sich das grundlegende Schriftstück, das Prager Privileg, befindet. Der Graf scheint an der Sache großen Anteil zu nehmen. Nach einer Vereinbarung mit der Zülzer Judenschaft soll er an Pinkus auch das zur Fortführung der Angelegenheit notwendige Geld auszahlen, ״da,“ wie der Jude klagt, ״alles alhier geldt kostet, ohne geldt mihr nicht fortzukommen getraue“, (ibd.) 5•