Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1926 (1927)
- Date
- 1927-01-01
- Page
- – (sequence 76)
- Language
- German
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wild. Da eine rasche Vermehrung der Juden in Schlesien nach erfolgter Privilegierung bestimmt zu erwarten ist, so ist ihr Anteil an dem Ablösungsbetrag von 40000 Bthl. für die Kammer kein Gewinn. Die Fürsten und Stände sehen bereits den Untergang des ganzen Landes Schlesien voraus. Die Juden werden Krankheiten in das Land einschleppen. Sie werden die guten’Münz- Sorten aus dem Lande schaffen. Die Vermehrung der Juden wird eine Entvölkerung des Landes von den Christen herbeiführen. In Kriegsnot wird Schlesien dem Kaiser kein Kriegsvolk mehr stellen können. Die Zulassung der Juden zum Handwerk wird die Zünfte an den Bettelstab bringen. Mit dem Verschwinden der christlichen Bevölkerung wird der Ackerbau aufhören. Zum Schluß kehrt das Votum wieder zur Geschichte zurück. Die Juden sind als Spione und Verräter von jedem christlichen Lande fernzuhalten, sowie sie aus den gleichen Ursachen ״ehe dessen aus Frankreich und Spanien ausgebannet“. Es gibt nur eine Bettung: die vollkommene Vertreibung der Juden. In der Motivierung der judenfeindlichen Forderungen berührt sich mit diesem Votum eine ganze Beihe von Voten lind Memorialien, die in ununterbrochener Folge in den nächsten Jahren gegen die Juden gerichtet werden. Wurde so durch das Eingreifen der Geistlichkeit und durch das schroffe Auftreten der Fürsten und Stände die von den Zülzer Juden ersehnte Confirmation fast aussichtslos, so trat ein neues Moment hinzu, das vor allem die Städte auf den Kampfplatz gegen die Juden insgesamt führte. Zuerst ist es wiederum wie vor einem Jahrhundert die Stadt Breslau, die es nicht unterläßt, ihre Stimme im Chor der Judenfeinde hören zu lassen. Das Bestreben der Zülzer ist für sie nicht die alleinige Veranlassung zu dem ״Votum wegen der in Schlesien sich aufhaltenden Judenschaft“1). Die Kaufmannschaft der Stadt Breslau war durch das abenteuerliche Projekt des <; ----־־- 1-) ibd. A 45, 46 a f. 134/9. Undatiert, ist aber zwischen dem 7. 2. u. 26. 5. 1691 anzusetzen. An diesem Votum ist charakteristisch, daß zwar die Austreibung aller Juden aus Schlesien mit stärkstem Nachdruck gefordert, zugleich aber •die Gastfreundschaft für die fremden jüd. Kaufleute mit bewegl. Worten anempfohlen wird, ״weil notorisch ist, welchergestalt die gantze Pollnische und meiste Littauische und' Russische Handlung in der Juden Händen steht“. .