Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1926 (1927)
- Date
- 1927-01-01
- Page
- – (sequence 71)
- Language
- German
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Die Zälzer Judengemeinde, die nichts versäumt hatte, um eine freundliche Stellungnahme des Oberamtes herbeizuführen1), bangte um das Schicksal ihrer gerechten Sache. Die Erkundigungen, die ihre Vertreter beim Kgl. Oberamt in Breslau wie in der böhmischen Hofkanzlei einzogen, waren wenig tröstlich. Feindliche Kräfte waren am Werk, die günstigen Erklärungen des Oberamtes noch im letzten Augenblick zu inhibieren. Die so klar bekundete judenfreundliche Stimmung der schlesischen Behörden war ins Gegenteil umgeschlagen. Alle Bemühungen der Juden, die Absendung des bereits fertig vorliegenden Gut* * achtens zu erreichen, blieben erfolglos. Im Vertrauen auf die Gunst des Kaisers erbaten sie daher von neuem seine Inter״ vention. Ende des Jahres 1689 richteten die Aeltesten der Judengemeinde Zülz ein Gesuch an den Kaiser, in dem sie darüber Klage führen, daß ungeachtet all ihrer Bemühungen das vom Kaiser eingeforderte Gutachten nicht zur Expedition gelangt sei3). Sie erbitten daher eine Ermahnung an das Kgl. Oberamt. Auch aus diesem Gesuche spricht die Ueberzeugung der Zülzer, daß sie eigentlich nur die Anerkennung alterworbener Bechte fordern3). Beim Kaiser fanden sie Gehör. Wenn in Breslau die feindlichen Mächte die Oberhand hatten, so muß die Umgebung des Kaisers zu jener Zeit anderen Einflüssen zugänglich gewesen sein. Mit ungewöhnlicher Schnelligkeit und offensichtlicher Dringlichkeit ergeht aus Augsburg der Befehl Leopolds an den Oberlandeshauptmann, das am 22. Okt. 1688 eingeforderte Gutachten zu beschleunigen. Dabei wird der Eindruck verstärkt, daß eine Zustimmung zur Erteilung der ף Aus einem Vermerk auf dem Entwurf des oberamtl. Schreibens an den Landeshauptm. v. Oppeln-Ratibor (15. Dez. 16.88) ist zu ersehen, daß ein Zfilzer Jude David in der oberamtl. Kanzlei am 28. Dez. persönlich in der Angelegenheit der Privilegien vorgesprochen hat. *) Undatiertes Gesuch. Präsent. 26. Nov. 1689. Dort heißt es: ״Wann wir dann dieses werck vielfältig gehöriger orthen bisshero zu urgiren nicht ermanglet, auf allen unseren angewendeten fleiss und Bemühung diesfahls zu der Expedition nicht gelangen können.“ (Br. St.-A. Ft. Opp. Rat II 15 c f. 37.) *) Es wird auf die kais. Verordnung hingewiesen, die ״auf aller* nnterthenigstes anflehen und Bitten, pro Confirmatione unserer Altr erworbenen Kays. Privilegien undt Freyheiten“an das Oberamt ergangen ist.