Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1926 (1927)
- Date
- 1927-01-01
- Page
- – (sequence 64)
- Language
- German
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Zülzer Juden an verschiedenen Orten begegnet sind, haben sie um ihre Zukunft besorgt gemacht1). Zum Ausgangspunkt nimmt die Bittschrift die Prager Privilegien. Die Befreiung von Sondersteuem stellt fraglos eine der ,wichtigsten Begünstigungen dieses Privilegs dar. Dem• entsprechend betonen die Zülzer Juden, sie wären ebenfalls ״unter den befreyten Juden“2) verstanden worden. Den Kernpunkt des Privilegs in dieser Ablösung der besonderen Judensteuern zu sehen, wäre jedoch entschieden verfehlt. Welche Auffassung die Juden selbst von diesem für sie politisch bedeutsamen Akte hatten, welchen Wert sie dem Privileg beimaßen, erkennt man daraus, daß sie in der Erlangung der Confirmation eine völlige Sicherung ihrer!Rechtsstellung im Lande erblickten. Trotz verschiedener ״Eingriffe und Bedrängnisse“, wird in der Eingabe gesagt, hätten sie bisher keine rechte Ursache gehabt, eigens um die Anerkennung dieser Bechte nachzusuchen. Nun glaubten sie aber es ihrer Sicherheit wegen nicht versäumen zu dürfen. Ebenso wie die Großglogauischen Juden in früherer Zeit eine besondere Deklaration und Bestätigung der Privilegien erlangt haben, so verlangen sie auch für sich den durch das Privileg gewährleisteten Schutz ihrer Freiheit und ihrer Bechte. Nicht nur aus der Eingabe der Juden ist diese besondere Einschätzung des Privilegs zu entnehmen. Aus dem weiteren Verlauf der Angelegenheit ist klar ersichtlich, daß sowohl von den Freunden der Juden wie von ihren Feinden Sinn und Geltung des Privilegs als weit umfassend beurteilt wurden. Insbesondere ahnten die Gegner die Tragweite der Privilegien. Das Oberamt, das vom Kaiser ausdrücklich angewiesen wurde, auch ein Gutachten des Landeshauptmanns der Fürsten-- tümer Oppeln-Batibor, Franz Eusebius von Oppersdorff3 4), l) ״Gleichwohl aber vnns ein vndt andern orths unterschiedliche difficulteten hesorglich gemacht werden dürften, diesen aber vorzukommen,“ Bittschrift der Zülzer a. a. O. *) Gemeint ist der Passus des Prager Privilegs, der die Prager wie die böhmischen und schlesischen Juden von allen Contributionen, Steuern, Auflagen ״ordinari und extraordinari“ — von der Kammer oder den Ständen irgend eines Landes ihnen besonders auferlegt — als ״befreyet und entlediget“ erklärt. s) Die Aufforderung des Landeshauptmanns von Oppeln zu einer gutachtlichen Äußerung war für die Juden von besonderem Vorteil. Franz Eusebius von Oppersdorff war der Sohn des Grafen Georg von Oppersdorff zu Oberglogau, der in den Jahren 1633—40 Vormund der Herrschaft Zülz war. 4