Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1926 (1927)
- Date
- 1927-01-01
- Page
- – (sequence 63)
- Language
- German
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48 auch in Schlesien allen Erschwerungen zum Trotz immer mehr aus. Insbesondere aber waren die Geschäftsverbindungen nach Polen gewachsen und gewannen immer größere Bedeutung. Diese Verbindungen brachten den Juden von Zülz, wohl aber auch dem Lande, einen nicht, geringen Nutzen. Das Selbstbewußtsein der Zülzer Juden wurde durch all dies gestärkt. Es reifte zugleich aber immer mehr die Erkenntnis, daß zu einer vollen Entfaltung der wirtschaftlichen Kräfte erst alle rechtlichen Hindernisse aus dem Weg geräumt werden mußten. Da die jüdische Gemeinde zu Zülz in jener Zeit sich von neuem konsolidierte1), so konnten auch die Mittel aufgebracht werden, die zu einer gemeinsamen Aktion erforderlich waren. Der Weg zu einer freieren Entwicklung dieser aufstrebenden jüdischen Gemeinde mußte gefunden werden. Die Hechts- Unsicherheit mußte aufhören. All dieses, so erkannten die Zülzer Juden, war nur durch die Confirmation des Prager Privilegs zu erreichen. Zu einem formellen Ersuchen um die Confirmation kam es erst im Jahre 16882). Einflußreiche jüdische Kreise in Prag hatten offenbar bereits die Aktion der Zülzer Juden vorbereitet und gefördert. Die wohlwollende Behandlung, die dieses Gesuch seitens des Kaisers und der entscheidenden Organe der Hofkanzlei im ersten Stadium erfuhr, war dazu angetan, auf die Bittsteller ermutigend zu wirken3 * * * * 8). Die unmittelbare Veranlassung zu diesem Gesuche der ״Aeltesten und der gesamten Judengemeinde zu Ziltz in Schlesien“ führt die Eingabe selbst an. Die großen Schwierigkeiten, denen die 1J Die Gemeinde verhandelte im J. 1686 mit dem Magistrat wegen Ankaufs eines Platzes zum Bau einer neuen Synagoge. Die Erweiterung des Friedhofe fand im gleichen Jahre statt, s. Rabin a. a. O. S. 39. 2)Das Gesuch der Zülzer Judenschaft, das uns im Original vorliegt, (Bresl. Staats־A. Ft. Opp. Rat. II 15 c, fol. 1ל ff.) ist undatiert, trägt aber das Präsentatum vom 7. Oktober 1688. Als Beilage waren beigegeben: 1. eine Abschrift des Prager Privilegs vom J. 1627 und 2. eine Abschrift der den Großglogauischen Juden erteilten Confirmation dieses Privilegs (Wien, 21. Nov. Ao 1631). 8) Das Gesuch nebst Anlagen wurde von der Hofkanzlei mit einem Schreiben des Kaisers am 22. Oktober 1688 dem Oberlandeshauptmann von Schlesien, Fürsten ״Franz Ludwig, Pfaltzgraffen bey Rhein, Hertzog von Bayern“ etc., zur Begutachtung übersandt. Aus den Anordnungen, die in dem Schreiben des Kaisers getroffen werden, ist zu ersehen, wie sehr es ihm um eine objektive Orientierung zu tun ist.