Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1926 (1927)
- Date
- 1927-01-01
- Page
- – (sequence 60)
- Language
- German
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45 darüber zu entscheiden haben, wächst die Versuchung, Juden in ihr Gebiet aufzunehmen. Da der Nutzen des jüdischen Handels, wie gesagt, immer größere Anerkennung findet, so entsteht für manche Herrschaft wie auch für die Handelsstädte die Verlockung, das bereits so stark durchlöcherte Gesetz der Ausschließung von Juden aus Schlesien völlig unwirksam zu machen. In gesteigertem Maße wiederholen sich am Ende der achtziger Jahre die Vorgänge, die beim Ausgang des 30jährigen Krieges zu beobachten waren. Von neuem wird in Prag gegen verschiedene Pürsten wegen der willkürlichen Einräumung des Niederlassungsrechtes Beschwerde geführt. Es wird die rechtliche Frage aufgeworfen, ob eine jede Herr- Schaft oder Obrigkeit in ihrem Gebiet Juden auf- und anzunehmen befugt sei. Die Antwort lautete, daß das Auf- und Annehmen der Juden eigentlich ein ihrer Majestät, dem König von Böhmen und ״Obristen Landes-Fürsten“ in Schlesien, allein zustehendes Begal sei. Eine dementsprechende Information erging am 17. April 16801) aus Prag. In dieser wird das Königliche Oberamt in Schlesien aufgefordert, darüber zu wachen, daß diese alleinige Befugnis des Königs nicht auch von anderen ohne Zustimmung der Hofkanzlei ausgeübt wird. Die Ermahnungen und die Drohungen der obersten Behörde wurden aber von vielen unbeachtet gelassen. Nur Breslau bildete darin eine Ausnahme. Zu den Hauptjahrmärkten in Breslau pflegte sich stets eine große Zahl von Juden einzufinden. Mancher hegte den Wunsch, sich in diesem Handelszentrum niederzulassen. Wenn auch die Kaufmannschaft und der Magistrat sich dem immer von neuem widersetzten, so konnten sich doch einzelne der Wachsamkeit der Behörden entziehen. Einer Anzahl von Juden war es schon früher gelungen, die ausdrückliche kaiserliche Zustimmung zu ihrer Niederlassung in den Vorstädten von Breslau zu erhalten2). Um so schärfer kämpfte die Breslauer Obrigkeit gegen eine Vergrößerung ihrer Zahl. Kaufmannschaft und Bat waren dabei in gleicher weise tätig und fanden bei den leitenden Stellen der Kirche eifrige Unterstützung. Nur vorübergehend, in der Zeit unmittelbar nach dem 30jährigen Kriege, l) Friedenberg a. a. O. I, S. 197. *) Die erste offizielle Genehmigung zur Niederlassung erfolgte 1630. s. Zimmermann: Gesch. u. Verf. d. J. i. Schl., S. 27. Im J. 1635 war es der Bresl. Rat selber, der die Juden in die Stadt aufnehmen wollte. Die Juden wohnten meist auf den Besitztümern der kirchlichen Stifte.