Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1926 (1927)
- Date
- 1927-01-01
- Page
- – (sequence 55)
- Language
- German
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40 in Schlesien hatten. In späteren Jahren zeitigte der Kampf ums Dasein,den dieZülzer Jaden führen mußten,noch viel schlimmere Auswüchse. Damals war der Neid, den die Konkurrenz der polnischen Juden in ihnen erweckte, nicht so stark, um das Mitgefühl für ihre in Polen bedrohten Brüder zu verdrängen. Durch neue kriegerische Ereignisse wurde eine unerwartete Vermehrung der jüdischen Bevölkerung in Schlesien herbeigeführt. Waren Juden aus Polen in den ersten Jahren nach Ende des 30 jährigen Krieges nur zu vorübergehendem Aufenthalte dorthin gekommen, so verursachten die Kriegs- Verwicklungen zwischen Schweden und Polen eine einmalige geschlossene Einwanderung polnisch-jüdischer Gemeinden nach Schlesien. Der schwedisch-polnische Krieg, der sich zwar in der Hauptsache auf Schlesien fernen Schauplätzen abspielte, zog auch das Grenzland Polens in Mitleidenschaft. Die Kriegswirren zwangen die Juden der polnischen Bandgebiete zur Flucht. Viele von den Flüchtlingen suchten in Schlesien Unterkunft. In größeren Gruppen überschritten sie die Grenze und ließen sich an manchen Orten nahe derselben nieder. Von den Behörden dieser Orte wurden zunächst den Flüchtlingen keine Schwierigkeiten bereitet. Es war jedoch zu erwarten, daß nach der ersten Ueberraschung die Städte und die kaiserliehen Behörden sich auf Grund des geltenden Verbots der Niederlassung gegen die Eindringlinge wenden würden. Die ״Juden aus Groß Pollen“ wandten sich daher wiederholt an Ferdinand HI. und baten flehentlich um die Erlaubnis zur Niederlassung in schlesischen Orten1). Die Haltung der schlesischen oberen Behörden zu der Frage der. Aufnahme polnischer Juden war schwankend2). Das Oberamt, um seine gutachtliche Aeußerung befragt, konnte sich bei allen der auf die Eingabe der Juden von Zülz befunden hat, daß sie in anbetracht des ihnen neulich (1699) gewährten Privilegs wie bisher nicht mehr als -8 Silbergroschen an den Toren zu erlegen hätten. Den Zttlzern gelang es namentlich, in benachbarten Orten eine Besser- Stellung für sich zu erwirken. So bestimmte eine Verordnung der bischöfliehen Regierung vom Jahre 1688, daß die Zülzer Juden einen geringeren Judenzoll zu zahlen hätten. Es hat zu zahlen ״jeder fremde Jude, so hereinkommt, einen Thaler 9 Groschen, so vorbeigeht, 15 Groschen, ein Zülzer Jude, so hereinkommt, 15 Groschen, so vorübergeht, 7 Groschen 6 Heller“ (s. Rabin, Die Juden in Zülz, S. 20). J) Br. Staats-A. R. 13 II 21 1. ־) ibd. Über die Niederlassung eines Teiles dieser polnischen Juden in Militsch, s. Die Juden in Militsch, Bresl. Dissertation (1926) von Fritz Bloch.