Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1926 (1927)
- Date
- 1927-01-01
- Page
- – (sequence 52)
- Language
- German
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37 nicht rechnen konnte, welche die Juden von Zülz zur Zurückhaltung zwang t Im Verein mit den Fehlschlägen der letzten Jahre werden all diese Gründe wohl mitgewirkt haben. Ein Weiteres kommt hinzu. Die wirtschaftlichen Verhältnisse der Juden hatten sich unter Einwirkung des Krieges besonders verschlechtert. Beide schlesischen Gemeinden, Glogau wie Zülz, befanden sich seit einigen Jahren im Bückgange1). Die Plünderungen, durch die Zülz schon zu Beginn des 30jährigen Krieges stark heimgesucht worden war2), hatten eine Verminderung der Bevölkerung in Stadt und Umgebung herbeigeführt. Im Jahre 1633 verursachte die Pest eine weitere Dezimierung der Einwohnerschaft3). , Unter den allgemeinen Wirrnissen hatte die jüdische Bevölkerung stark gelitten. Viele Juden hatten Zülz verlassen. Nach ihrer Bückkehr fanden sie meist Buinen und konnten nur mit großer Mühe ihre Existenz wieder auf bauen. Die letzten Jahre des Krieges brachten der Stadt Zülz die Einquartierungen der Schweden und damit besonderes Elend auch für die Juden. Es ist kaum anzunehmen, daß die Zülzer Judenschaft in ihrer Gesamtheit während dieser Kriegsnöte irgendwelche Schritte zur Bestätigung der Privilegien unternehmen konnte. Vielmehr ist es wahrscheinlich, daß der Zusammenhalt der Gemeinde um jene Zeit sehr gelockert war. Unter den Juden, die es versuchten, sich an anderen Orten in Schlesien niederzulassen, befanden sich auch mehrere Zülzer. Die Wachsamkeit gegen eine Zulassung von Juden ließ in den letzten Jahren des 30jährigen Krieges mancherorts in Schlesien nach4). Oft sind es die Fürsten, die zur Steigerung ihrer Einnahmen den Juden vorübergehenden Aufenthalt gewähren. Zuweilen wird von dem einen oder dem anderen *) Die Glogauer Gemeinde, die im J. 1625 ,,600 Mann stark war“ (A. P. Bd. V, S. 345), zählte im J. 1631 nur noch 200 Seelen. Nach dem Bericht des Commissarius Welly an den Oberlandeshauptmann vom 6. Juli 1638 wies die Judenschaft in Glogau damals ,,über 200 lebendige Köpffe“ auf, nachdem viele durch Kriegsnot und schwere Pest zu Grunde gegangen waren. (Bresl. Stadt-A. Hs. A 45, 24 f. 624). 2) Cb.rzsj.szcz, Geschichte der Stadt Zülz, S. 24 und a. a. O. S. 75. 3) Die zeitgenössischen Berichte (von Chrzqszcz zitiert), die in einer ganz übertriebenen Weise behaupten, daß die Pest alle Einwohner bis auf 2 hingerafft hätte, sind nicht ernst zu nehmen. Jedenfalls erscheint es sicher, daß die Pest unter den Juden weniger Opfer gefordert hat. Der Bestand einer Gemeinde zu jener Zeit steht außer Zweifel. 4) Brann, Geschichte des Landrabbinats in Schlesien, S. 3.