Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1926 (1927)
- Date
- 1927-01-01
- Page
- – (sequence 47)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2720904-2721043--046-2726662- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Głogów 1× ep/1047915
OCR text
sich damals eine Eingabe der Juden befand und wovon die letzte Entscheidung abhing, so ergibt sich doch daraus mit voller Klarheit, daß sich die Zülzer Judenschaft um die Erlangnng der Confirmation zu jener Zeit mühte und bei diesen Bemühungen die wirksame Hilfe und die Unterstützung des Reichsgrafen gefunden hat. Da der Graf von Oppersdorff sonst den Juden keine großen Sympathien entgegenbrachte1), so war es allerdings wohl in erster Linie das Interesse der ihm als Vormund anvertrauten Herrschaft, das er in seiner besonders ausgeprägten ]Rechtlichkeit2 3) wahmehmen wollte. Zu einem günstigen Ergebnis führten die Bemühungen der Juden damals nicht. Die Entscheidung blieb aus. Die Rechtslage der Juden blieb ungesichert wie zuvor. Immer wieder mußten sie sich gegen Unbill und Verfolgung schützen. Auch in der Fürstentagung des Jahres 1638 beschäftigten sich die Fürsten und Stände mit den Steuerangelegenheiten der Zülzer Juden. Wiederum wurde gegen sie Stellung genommen. Es handelte sich zunächst von neuem um die Eintreibung der Contributionen. Nochmals wurde beschlossen, die Zülzer Juden, wie übrigens auch die Glogauischen, überall auf Jahrmärkten oder auch sonst, wo sie anzutreffen wären, anzuhalten und sie mit den schärfsten Mitteln und härtesten Strafen zur Erlegung der geschuldeten Restsummen und der laufenden Contributionen zu zwingen8). Bei dieser Gelegenheit wurden die alten Klagen gegen die Juden erneuert. Ihr Wucher wurde gegeißelt, ihre Handelstätigkeit geschmäht. Die Verstocktheit dieser Ungläubigen, ihre Feindseligkeit gegen den christlichen Glauben erheischten, so hieß es, ihre völlige Ausmerzung und ihre gänzliche Vertreibung aus dem Lande. Es läßt sich fast mit Bestimmtheit annehmen, daß schon bei diesem Fürstentag die Forderung einer vollständigen Aus- Weisung der Juden aus Schlesien von neuem erhoben wurde. Manche Andeutungen sprechen dafür. Die vielgeprüften Juden von Zülz witterteh Gefahr. Sie hatten mehr Grund dazu als ihre Brüder in Glogau, obwohl die Beschlüsse des Fürstentages auch gegen diese gerichtet waren. Die Glogauischen Juden konnten sich auf alte kaiser- ף A. P., Bd. VII, S. 190. ף A, P., Bd. VII, S. 25 und 152. 3) Br. Stadt-A., A. 45, 24 f. 623 u. Br. St.-A., Opp. Rat. 11.15 e.