Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1926 (1927)
- Date
- 1927-01-01
- Page
- – (sequence 31)
- Language
- German
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andern Teilen Schlesiens vertriebenen Juden sichere Zuflucht. Die Juden wußten, daß sie in diesem edlen und unerschrockenen Mann einen Helfer in der Hot finden würden. Ihm klagen sie in einer Bittschrift (wahrscheinlich um den Ausgang des 16. Jahrhunderts abgefaßt) ihr Leid: ״Wir sind in Zülz 200 Jahre geduldet, jetzt sollen wir unsere Häuser abschaffen, unsere Schulden einziehen und dann die Stadt verlassen; wir bitten um weitere Duldung“. Wie in früheren Fällen legte Freiherr von Proskowski auch diesmal bei dem Kaiser für die unter seinem Schutz stehenden Juden Fürbitte ein. In klarer Erkenntnis der Motive, die bei der oberen Staatsgewalt in Prag allein wirksam waren, appellierte er nicht an die humane Gesinnung des Kaisers und versuchte nicht, sein Rechtsempfinden wach zu rufen. Er wies vielmehr nur auf den Schaden hin, der dem Kaiser durch die Austreibung der Zülzer Juden entstehen könnte, und betonte in seiner Fürbitte: ״Da die Juden vertrieben werden sollen, würden die Regalien Ew. Maytt. und Hinkommen verringert“. Aber auch er selbst legt keinen Wert darauf, vor dem Kaiser die Rolle des Menschenfreundes zu spielen, sondern hebt hervor: ״Auch würde ich-als Pfandherr Abbruch erleiden“. Ein Rechtsargument führt er jedoch an: ״Da die Juden zweihundert Jahre hier gewohnt haben, bitte ich, daß sie weiter bleiben dürfen“1). Es läßt sich schwer entscheiden, ob das Geld der Prager Juden, die offenbar auch sonst ihren ganzen Einfluß geltend machten, um den Kaiser von der Gerechtigkeit der jüdischen Sache zu überzeugen, oder die Argumente des Freiherm von Proskowski den Ausschlag gaben. Die Entscheidung des Kaisers fiel jedenfalls zugunsten der Zülzer Juden aus. 1J Chrzaszcz, Gesch. v. Z&lz, Öberschlesische Heimat, B• XIII, S. 69/70 u. Anm. 13 gibt für die von mir übernommenen Zitate eine Quelle aus dem Stadt-A. von Zülz an. Diese Urkunden konnten von mir aber dort nicht aufgefunden werden. Herr Dr. Chrzaszcz teilte mir fdl. mit, daß er seine Angaben nicht Original-Urkunden, sondern Aufzeichnungen entnommen hat, die sich auf einem fliegenden Blatt resp. einigen Blättern befanden. Entgegen der Note in 0■ H. ist sich Herr Dr. Chr. jetzt nicht mehr gewiß, ob er jenes Blatt im Stadt-A. zu Zülz oder im Diöz.*A. benutzt hat. Doch ist die Glaubwürdigkeit der Angaben nicht zu bezweifeln, da diese dem; Inhalte nach in der Bescbwerdeschrift des Freiherrn v. Proskowski (s.u.) ihre Bestätigung finden.